Als Mutter nur akzeptiert und nicht geliebt ?

Wenn ein Kind nicht sehr doll anhänglich ist und viel Vertrauen in sein Umfeld und andere Menschen hat, dann ist das ok. Was ist aber wenn ein Kind seine Mutter anscheinend nur akzeptiert und nicht liebt? Was ist wenn eine Mutter dadurch sehr traurig und verletzt ist und damit nicht umgehen kann?

Akzeptiert mein Sohn mich einfach nur?

 
Die treuen Leser wissen ja bereits, dass mein Kind nicht gerade das anhänglichste ist. Er will nicht kuscheln, er will von mir nicht getröstet werden, er will nicht auf meinen Arm und er vermisst mich auch niemals. Bisher war das für mich ok, ich habe das akzeptiert. Ratschläge wie “das änderst sich noch” habe ich mir zu Herzen genommen. Es ändert sich jedoch nichts. Im Gegenteil, es wird immer deutlicher.
In der letzten Zeit gab es viele Situationen in denen mir das immer bewusster wurde und mittlerweile frage ich mich wirklich, ob mein Kind mich überhaupt richtig lieb hat oder ob er mich einfach nur akzeptiert und erduldet als Mutter. Man kann nun mal nicht mit allen Menschen gut und manche sind einem einfach unsympathisch, vielleicht ist das auch so bei meinem Sohn. Ich bin ja nicht die erste Mutter, der es so geht. Trotzdem habe ich Angst zu denen zu gehören, wobei das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn eher kühl ist weil die Chemie einfach nicht stimmt. Erst heute Morgen gab es wieder eine sehr enttäuschende Situation für mich. Ich bringe ihn zur Betreuung und sobald die Tür aufgeht, rennt er freudestrahlend in die Arme der Tagesmutter. Er sagt mit nicht mal Tschüss oder will nochmal auf meinen Arm. Er dreht sich einfach um und geht spielen. Ich muss mich nicht mal raus schleichen. Selbst wenn ich nochmal zu ihm gehe und deutlich sage, dass ich jetzt gehe, interessiert ihn das nicht, keine Reaktion, nicht mal eines Blickes würdigt er mich. Es scheint als wäre er echt froh, weg von mir  zu sein. Jeden Nachmittag dann das Gleiche. Ich hohle ihn ab und auch da will er nicht mal auf meinen Arm. Sobald ich da bin, dreht er sich wieder um und will noch weiter spielen.
Wenn wir dann nachmittags draußen unterwegs sind und an der Wohnung der Tagesmutter vorbei gehen, zeigt er zum Fenster und sagt Mama. Zu mir hat er das noch nie richtig gesagt. Das ist echt hart, wenn man seinem Kind versucht zu erklären, dass nicht die andere Person die Mama ist. Man wiederholt das Wort dann ständig und zeigt immer auf sich selbst um dem Kind klar zu machen, wer hier Mama heißt. Wie blöd das eigentlich ist. Es bedeutet mir aber auch einfach viel und es verletzt mich sehr.
Letztes Wochenende haben wir unseren Sohn das erste Mal bei Opa schlafen lassen. Ich habe mir tagelang vorher eingeredet, dass das bestimmt nicht klappen wird, dass er uns sicher vermissen wird und nicht will das wir gehen. Das Resultat war mal wieder eindeutig. Er hat absolut kein Theater gemacht. Er lässt sich quasi einfach bei anderen Leuten abgeben ohne irgendwelche Angst. Klar ist das auch schön, dass das so wunderbar klappt. Es ist aber auch verdammt traurig, dass unser Sohn sehr gut auch ohne uns klar kommt und glücklich ist.

Papa ist der Held

Bei meinem Partner sieht das etwas anders aus. Wenn er Abends nach hause kommt, dann rennt unser Sohn in seine Arme und will gar nicht mehr runter. Muss der Papa dann nochmal kurz vor die Tür oder auch nur mal kurz in das Bad, dann wird geweint was das Zeug hält. Der Zwerg setzt sich dann total traurig vor die Tür und wartet sehnsüchtig, dass der Papa doch bitte gleich wieder da ist. Bringt mein Freund unseren Kleinen zur Betreuung, dann gibt es ein mega Theater und Traurigkeit. Papa ist der Held, dass soll er auch sein. Ich kann aber auch nicht abstreiten, Eifersucht zu empfinden und dass es deswegen auch schon Streit gab. Ich bin sogar auf die blöde Idee gekommen, Böser Cop-Guter Cop zu spielen. Ich bin natürlich der gute Cop und erlaube unserem Sohn alles und der Papa ist der böse, der immer Nein sagt. Guter Plan, aber überhaupt nicht gut für die Erziehung des Kindes. Also lassen wir das lieber und ich bin weiterhin nur die akzeptierte Nahrungsquelle für unseren Sohn.

Verzweiflung schleicht sich ein

Was mache ich nur falsch? Habe ich ihn zu früh in die Betreuung gegeben? Verbringe ich zu wenig Zeit mit ihm oder vielleicht zu viel? Zu streng bin ich eigentlich auch nicht. Ich bin eher locker und entspannt, achte jedoch auf Konsequenz und Beständigkeit. Man kann ja dem Kind auch nicht alles durchgehen lassen, nur um auf der Lieblingsliste des Kindes ganz oben zu stehen. Das wäre für mich auch keine Lösung, denn ein Kind würde das nur ausnutzen. Wende ich mich an andere befreundete Mütter, kriege ich auch keine richtigen klärenden Antworten, die ich vielleicht hören will. Klar höre ich immer wieder Sätze wie “ das wird schon noch” oder “ warte mal ab, das ist nur eine Phase”. Ganz ehrlich? Unser Sohn ist von Anfang an so und ich glaube langsam nicht mehr daran, dass sich das noch ändert. Es gibt ja solche Fälle bei denen die Chemie zwischen Mutter und Kind einfach nicht stimmt und das man nicht miteinander warm wird. Vielleicht muss ich mich damit abfinden, dass es bei uns auch so sein wird, jedoch bricht es mir das Herz. Ich bin einfach traurig und verletzt und weiß nicht mehr, was ich noch machen soll. Vielleicht sollte ich mir Gummibärchen an den ganzen Körper kleben. Vielleicht sollte ich immer mit Schokolade in den Taschen herumlaufen. Vielleicht ändert sich das noch und ich mach mich unnötig verrückt.Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Ich bin ein Vielleichtchen, und ich habe mal gelesen, dass dieses Wort, sobald es zum Einsatz kommt, einem die traurige Wahrheit verrät. Man kann diese Fragen nämlich alle mit Nein beantworten. Ähnlich wie bei Beziehungen zwischen Männer und Frauen. 
Vielleicht ist er zu beschäftigt um sich zu melden. Vielleicht hat er unser Date einfach nur vergessen. Nein! Hat er nicht, er steht einfach nicht auf dich!
So wird es dann wohl auch zwischen mir und meinem Sohn sein. Vielleicht ändert sich das ja doch noch…
 
 
 

  10 comments for “Als Mutter nur akzeptiert und nicht geliebt ?

  1. 25. September 2014 at 10:25

    Ach Nina, dein Artikel hat mich richtig traurig gestimmt und ich fühle den Schmerz, den du beschrieben hast. Den hast du gut transportiert im Text.
    Manche Situationen kommen mir bekannt vor. Nämlich das meine beiden auch immer gleich weg waren im Kindi, nicht geweint haben, weil sie nicht da bleiben wollten. Genauso wollten sie immer noch dort bleiben und nicht mit nach Hause. Ich habe mich damals auch gefragt, ob es zu Hause so schrecklich ist. Aber die anderen Beispiele, die du genannt hast, kenne ich persönlich nicht und es tut mir wirklich sehr leid für dich, dass du dies als Mutter so erleben musst. Vielleicht kennt jemand anderes mit älteren Kindern diese Situation auch und kann dir berichten, wie die Beziehung dann später ist, wenn die Kinder älter sind.
    Ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!

    • 26. September 2014 at 11:48

      Liebe Rebecca, vielen Dank. Es ist nicht leicht aber man sagt sich immer, dass das noch wird. Mal schauen was die Zukunft bringt. Vielleicht ist es einfach so und ich muss das akzeptieren. LG Nina

  2. 25. September 2014 at 11:54

    Liebe Nina, es ist traurig, dass du dir solche Gedanken machen musst. Und ich hoffe, dass sich deine Zweifel bald wieder auflösen. Zu dem Punkt Kindergarten kann ich aber was Erlösendes besteuern. Das Theater beim Abholen hatte ich mit meiner Großen auch immer. Sie wollte partout nicht mit nach Hause und lieber in der Kita weiter spielen. Und geändert hat sich das eigentlich erst, als sie etwa 3 Jahre war. Ist doch klar, dass es im Kindergarten mehr Spaß macht. Mehr Kinder zum Spielen und volles Entertainmentprogramm. Das kannst du Zuhause ja gar nicht bieten. Also lass den Kopf nicht hängen und ändere dein vielleicht in ein bestimmt!

    • 26. September 2014 at 11:52

      Ich hab jetzt schon öfter gehört, dass es so mit ca 3-4 Jahren anders wird. Dann bin ich mal gespannt. Mit Kindergarten versteh ich ja aber man hat auch dieses komische Bauchgefühl, dass mir immer mehr sagt, dass die Chemie zwischen uns einfach nicht stimmt. Hmm , mal sehen wie es noch wird.

  3. 25. September 2014 at 23:07

    Oh das ist heftig. Ich kann Deinen Schmerz verstehen, auch wenn ich selber diese Erfahrungen nicht machen musste.
    Ich denke nicht, dass die „zu zeitige“ Fremdbetreuung ein Grund dafür ist. Du sagst ja selber, dass es von Beginn an so zwischen Euch gelaufen ist. Was mir nur für ein Gedanke kam ist: Vielleicht hat sich das Ganze aber auch wie eine Spirale weiter verschärft? Also: Dein Sohn ist von Natur aus wenig anhänglich >zu bist enttäuscht über die fehlende Nähe >dein Sohn merkt, dass Du mit der Beziehung unzufrieden bist >er verhält sich noch abweisender usw….
    Es ist nur eine Vermutung und ich kenne Euch ja nicht. Aber beobachte Dich einmal bewusst im Umgang mit Deinem Kind. Wo könntest Du vielleicht herzlicher mit ihm umgehen, ohne dass es ihn zu sehr bedrängt? Wo kannst Du ihm Deine Liebe zeigen und trotzdem die von ihm gewünschte Distanz waren? Vielleicht kommt er dann auch einen Schritt auf Dich zu…
    Ich hoffe Ihr bekommt es bald in den Griff!!!
    Ganz lieben Gruß, Wiebke

    • 26. September 2014 at 11:56

      Liebe Wiebke, das kann schon sein, dass es so ist. Er merkt das ja auch wie ich mich fühle und ich bin durch die fehlende Nähe ja auch manchmal nervig zu ihm. Drück mal die Mama, komm mal auf den Arm usw. Vielleicht sollte ich ihn mal genau so wenig beachten und er kommt dann mal von allein auf mich zu. LG Nina

  4. Sam
    30. September 2014 at 14:27

    Liebe Nina, Dein Beitrag liest sich sehr traurig und ich fühle mit Dir, denn auch mein Sohn war so ein kleiner Nestflüchter.
    Ich versuche mal zu schreiben, was mir gerade durch den Kopf geht:
    Ich denke sehr wohl, dass die Chemie zwischen Deinem Sohn und Dir völlig in Ordnung ist. Du bist ihm bestimmt nicht unsympathisch und er hat Dich sicher ganz doll lieb<3
    Versuche doch mal die Situation mit anderen Augen zu sehen. Weg von 'Mein Sohn akzeptiert mich nur'. Hin zu 'Ich gebe meinem Sohn so viel Sicherheit und Beständigkeit, dass er ohne Ängste und von mir gestärkt, seine Umwelt entdecken kann!'
    Du sagst, dass Du konsquent bist, damit gibst Du ihm seinen nötigen Rahmen. Deine entspannte Umgangsweise mit ihm zeigt ihm Deine bedingungslose Liebe. Damit gibst Du ihm das nötige Selbstvertrauen, offen in die Welt hinaus zu gehen. Das ist doch positiv.
    Vielleicht bist Du ja sein Fels in der Brandung, ohne den er gar nicht so selbstbewußt durchs Leben gehen würde?
    Lass die Gummibärchen und die Schokolade da wo sie sind;-)

    Mein Großer hatte auch immer den Drang 'von mir weg', alle anderen waren scheinbar interessanter als ich und die Welt so aufregend. Heute ist er fünfzehn und wir stehen uns sehr nahe. Über einen freiwilligen Drücker seinerseits freue ich mich immer wieder aufs Neue<3, auch jetzt noch.
    Der Kleine dagegen, er ist jetzt zehn und sitzt immer noch gerne auf meinem Schoß, ist von Anfang an ein kleiner anhänglicher Schmusebär gewesen. Inklusive aller Dramen, wie z.B. Verlustängsten in der Kindergartenzeit.
    Und weil meine Jungs so wahnsinnig unterschiedlich sind, glaube ich nicht, dass es an uns liegt.
    Mache Dir nicht so viele traurige Gedanken und suche nicht nach Fehlern bei Dir. Genieße Deinen kleinen Weltenentdecker so wie er ist. Du bist seine Mama<3
    Fühl Dich gedrückt
    und ganz liebe Grüße
    Sam

  5. 6. Oktober 2014 at 19:19

    Liebe Nina,

    dein Bericht hat mich sehr berührt und ich danke dir für deine Offenheit! Vieles kommt mir sehr bekannt vor. Ich litt nach der Geburt meines ältesten Sohnes (2 ½) unter postpartalen Depressionen und unsere Beziehung war monatelang absolut katastrophal. Ich habe ihn lange Zeit sogar gehasst. Es hat gefühlte Ewigkeiten gedauert, bis unser Verhältnis besser wurde. Er ist auch heute (noch) ein absolutes Papakind. Wenn sein Vater da ist, bin ich abgeschrieben. Wenn wir unseren Maxi zu meiner Mutter bringen, ist es genauso wie du es auch kennst: Ich werde nicht mehr beachtet, seltenst verabschiedet und mit der Wiedersehensfreude ist es auch nicht so, wie ich es mir früher immer gewünscht habe.
    Ich kann dich so sehr verstehen, wie weh es tut, wenn das eigene Kind nicht kuscheln oder auf den Arm will, bei Anderen aber ganz selbstverständlich. Ich kann dir nicht versprechen, dass es besser wird. Ich kann dir nur sagen, dass sich bei mir etwas veränderte, als ich nicht mehr versuchte, dagegen anzukämpfen, sondern einfach akzeptierte, dass es eben so ist. Seitdem ich nicht mehr krampfhaft hinter der Liebe meines Sohnes her renne und ihm meine Fürsorge nicht mehr „aufdränge“, kommt er auch immer mal wieder von sich aus. Ich glaube vorgestern war das erste Mal (nach über 2 ½ Jahren), dass er nach dem Aufwachen nach mir, statt nach seinem Vater rief. Kleine Momente des Glücks, die ich auch dir und deinem Sohn ganz bald wünsche!

    Alles Liebe dir!

    • 7. Oktober 2014 at 13:08

      Ich danke Dir , liebe Christine. Es baut einen auf, wenn man merkt, dass man nicht allein ist mit dem Problem. Ich muss tatsächlich zugeben, dass es schon etwas besser geworden ist seit dem ich nicht mehr so darauf achte und versuche es einfach zu akzeptieren. Ganz liebe Grüße Nina

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