Die Persönlichkeit des Kindes akzeptieren

Es kommt immer anders als man denkt.

Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit. Jedes Kind tickt anders und hat seine ganz eigenen Charakterzüge. Oft jedoch versuchen wir  Kinder in eine Schublade zu stecken oder vergleichen sie mit anderen Kindern. Wenn dann das eigene Kind so gar nicht tickt, wie man es gern hätte, macht man sich Gedanken darüber und glaubt man macht etwas falsch.
Ich kann mich noch gut an die Momente in der Schwangerschaft erinnern, in denen ich mir schon ganz genau vorstellte wie mein Kind wohl sein wird. Ich malte mir das Zusammenleben schon kunterbunt aus, hatte genaue Vorstellungen davon wie unser Familienalltag wohl ablaufen würde. Unser Sohn wird bestimmt so wie ich, anhänglich, sensibel und kuschel-bedürftig, dachte ich. Das es dann ganz anders kommt ist eigentlich ja nicht verwunderlich. Es kommt ja immer alles anders als man denkt und trotzdem ist man dann etwas überrascht und irgendwie enttäuscht. Mein Sohn ist nun so gar nicht anhänglich, was man auch im Artikel Willkommen Anhänglichkeit nachlesen kann.
Von Anfang an habe ich mich selbst unter Druck gesetzt. Ich bin ein Mensch der immer alles perfekt machen will und erwartet das alles immer perfekt klappt. Bisher bin ich damit klar gekommen. Doch jetzt mit einem Kind merke ich immer mehr, dass ich das ablegen muss. Wie viel Stress und Hektik es einem erspart, wenn man einfach mal die Situation so nimmt wie sie ist, habe ich erst in den letzten Wochen überrascht festgestellt. Ich bin jetzt ausgeglichener und gelassener als noch vor ein paar Monaten.
Schon in den ersten Wochen mit unserem Sohn habe mir ständig über alles Gedanken gemacht. Das Stillen war stets ein Krampf, denn er hat sich immer erst dann gemeldet, wenn der Hunger schon viel zu groß war. Es ging ihm dann nicht schnell genug und so gab es bei jedem Anlegen erstmal ein Theater. Ich hab es trotzdem durchgezogen. Wenn ich andere Mütter sah, bei denen das Stillen ohne Theater und total entspannt klappte, kam ich immer wieder ins Grübeln. Was mache ich nur falsch? Warum macht mein Kind immer so einen Lärm dabei ? Diese Fragen schwirrten mir ständig durch den Kopf. Es hatte bei uns eben nicht perfekt geklappt.
Auch war er die ersten Monate sehr ruhig, wenn es nicht gerade um den Hunger ging. Er hat viel geschlafen und hielt nichts von langen Kuschel-Einheiten. Unser neues Bett von 2×2 Metern, das wir in der Schwangerschaft gekauft hatten, ist bis heute immer nur von 2 Personen besetzt. Es war und ist also überhaupt nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Immer wieder habe ich darüber nachgedacht. Innerlich war ich dann ständig angespannt. 
Auch bei der Krabbelgruppe konnte mein Sohn mit den anderen nicht mithalten. Er hat Dinge wie, sich drehen, sitzen oder krabbeln immer 1-2 Monate später gemacht. Mittlerweile war ich davon überzeugt, dass ich jetzt schon in Sachen Erziehung versage. Der Kopf war voll von Selbstvorwürfen. Erst durch private Ereignisse habe ich angefangen darüber nachzudenken wie ich selbst mein Leben nehme. Ich habe mich entschlossen zu lernen, die Momente so zu nehmen wie sie kommen und sie zu genießen.

Wie ich erst lernen musste, meinen Sohn einfach zu nehmen wie er ist.

 

Mein Sohn ist nun mal laut, neugierig und sehr aufgeweckt. Er will ständig alles erforschen, anfassen und ausprobieren. Er braucht viel Bewegung und vor allem Bewegungsfreiheit. Er hat seinen eigenen Kopf und seine eigenen Vorstellungen. Er hält absolut nichts davon, wenn ich ihm vorschreibe, was wir jetzt zusammen spielen.  Ja, ich muss ihn einfach machen lassen.
Noch vor ein paar Monaten saß ich total angespannt und innerlich hektisch beim Kinderarzt im Warteraum und zerbrach mir den Kopf.  Mein Sohn  ist stets das einzige Kind, dass kreuz und quer durch die ganze Praxis rennt und alles erkunden will.  Alle anderen Kinder sitzen immer brav bei den Eltern und spielen in aller Ruhe. Mein Kind fällt da immer wieder aus der Reihe. Was die anderen von mir als Mutter wohl bloß denken!  Ist es normal das ich mir ständig blöd vorkomme ? Schluss damit, ich muss endlich lockerer werden, sonst wird ein einfacher Arztbesuch für mich ja schon zum Albtraum! Nina, du musst jetzt endlich ruhiger und gelassener werden. Und das wurde ich dann…
Auch heute noch gibt es ein lautstarkes Theater vor jedem Essen, egal wie zeitig oder spät. Es geht ihm einfach nicht schnell genug. Die Portionen sprechen dann auch immer für sich, das hat er wohl vom Papa ;-).  Ich begreife mittlerweile immer mehr, dass ich ihn so akzeptieren muss, wie er nun mal ist. Seit dem ich das mache, bin ich tatsächlich entspannter und empfinde den Alltag nicht mehr so stressig. Ich habe einfach aufgehört zu versuchen, aus ihm ein perfektes Bilderbuch-Kind zu machen.
Unsere Wohnung ist so eingerichtet, dass wir eben nicht die ganze Zeit hinter ihm her rennen müssen und ständig Nein sagen müssen. Wenn er beim Kinderarzt quer durch die Praxis rennt, dann ist es eben so. Wie gestresst wäre ich, wenn ich ständig alles unterbinden würde, weil ich aus ihm etwas machen will, was er aber nicht ist. Und wie gestresst und gefrustet wäre er, wenn ich immer nur Nein sagen würde oder wir spielen jetzt unbedingt das, weil Mama das jetzt will. Seit dem ich das kapiert habe, kann ich die gemeinsame Zeit viel besser genießen. Hätte ich diese Sichtweise schon vor einem Jahr gehabt, dann würde mir die erste Zeit viel gelassener in meiner Erinnerung erscheinen.
Man muss sein Kind akzeptieren wie es ist, auch mit Charakterzügen die einem vielleicht nicht gefallen. Das machen wir mit Erwachsenen ja schließlich auch. Jedes Kind ist anders und tickt auch anders und das ist noch lange kein Grund einer Mutter das Gefühl zu geben, sie würde erzieherisch versagen, nur weil das Kind eben etwas lauter ist als das andere.
 
 
Eure Nina
 

 

 

  6 comments for “Die Persönlichkeit des Kindes akzeptieren

  1. 21. August 2014 at 10:50

    Liebe Nina, was du hier beschreibst kenne ich nur zu gut. Unsere Kleine ist auch ein wahrer Wirbelwind und oftmals war es mir auch unangenehm „aufzufallen“.. aber du hast recht, jedes Kind ist anders und man sollte das auch so als Mutter oder Eltern akzeptieren. Gerade wenn man selbst entspannter ist, wird auch das Kind nach einer Weile ruhiger 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

  2. 19. September 2014 at 20:28

    Liebe Nina,
    herzlichen Glückwunsch, denn wir haben ganz besonders tolle Kinder!!! Mein Wirbelwind ist 5 und ich habe mir das am Anfang auch alles gedacht. Seit ich es aber akzeptiere, dass er halt alles etwas wilder, schneller und lauter macht, geht es uns allen besser. Und ich entdecke so tolle Sachen an ihm!
    Er wird mal einer sein, die sich nicht alles gefallen lassen werden. Sie werden ihren eigenen Weg gehen. Ist es nicht herrlich wie neugierig sie sind? Heute weiß ich, er passt genau so zu uns wie er ist. (Ich kenne eine Mama mit genau so einem Kind wie oben beschrieben, das schön immer auf Mama’s Schoß sitzt. Eine soooo süße Maus, ich finde sie echt Zucker. Das volle Gegenteil von unserem. Würde nicht passen ;-))
    Das Problem meiner Meinung nach sind die anderen, ja auch Familie. Die bringen einen erst zu diesen Zweifeln! „Mein Gott der ist aber ein unruhiger Geist“
    Und es fällt mir nicht immer leicht da drüber zu stehen!!!!
    Lieben Gruß
    Tanja

    • 22. September 2014 at 13:24

      Ich gebe Dir Recht. Ganz schlimm finde ich es, wenn dann gleich ADHS ausgesprochen wird. Darf denn kein Kind heute einfach nur agil und quirlig sein, ohne das man gleich eine Krankheit vermutet? Nun gut, wie schon bei Twitter getwittert: Unsere Kinder sind toll so wie sie sind! Liebe Grüße Nina

  3. 19. September 2014 at 20:47

    Oh ja, ich hab auch so ein Exemplar zuhause! Jetzt ist er 5 und schon etwas ruhiger. Aber ich fand das auch die wichtigste Lektion des Mutterdaseins: Akzeptiere dein Kind so, wie es ist! Ich dachte früher, man kann viel mehr eingreifen mit Erziehung etc. Denk ich jetzt nicht mehr 😉 . Bei uns war es eher die starke Extrovertiertheit und auch körperliches Kontaktaufnehmen mit allen möglichen Leuten. Und eine gewisse Aggressivität gegen andere Kinder… hmmm. Naja, auf jeden Fall finde ich deine Aussagen hier goldrichtig, danke!
    Liebe Grüße, Katharina

    • 22. September 2014 at 13:26

      Vielen Dank , ich freue mich wenn meine Beiträge gefallen. Es stimmt, das es oft nichts mit der Erziehung zu tun hat und deswegen braucht man sich auch nicht den Kopf zu zerbrechen. Auch ein Kind hat den eigenen Charakter 🙂 Liebe Grüße Nina

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