Die Tücken der Vereinbarkeit

Vereinbarkeit, überall ließt man davon und es scheint als würde das Thema nie uninteressant werden. Es betrifft ja eben uns Eltern, und das alle Eltern. Jeder diskutiert oder denkt zumindest darüber nach. Oft wird versucht zu vermitteln wie einfach es doch ist, Beruf und Familie zu vereinen, aber das ist es eigentlich nicht. Das eine Vereinbarkeit klappt oder das wir überhaupt von Vereinbarkeit sprechen können, hört nicht ab dem Punkt auf, an dem wir den Nachwuchs in die Kita bringen und gut ist. Nein, man muss schon das gesamte Konstrukt betrachten. 

Jeder hat irgendwann seinen zustehenden Kita-Platz und eine Arbeitsstelle an die er täglich geht. Soll das dann schon die Rede von Vereinbarkeit sein? Kind wegbringen zur Betreuung, zur Arbeit gehen und gut ist? Meiner Meinung nach hängt da noch viel mehr dran als die meisten glauben. Das Familienleben muss stimmen und harmonieren. Alle Beteiligten müssen glücklich sein und damit gut klar kommen. Damit meine ich nicht, dass es allen halbwegs gut geht und das die Brotdose immer gefüllt ist, damit meine ich, dass alle Familienmitglieder mit der Situation auch wirklich glücklich sein müssen.

Geht es dem Kind gut, wenn es täglich mehr Zeit mit Betreuern als mit den Eltern verbringt? Geht es der Mutter gut, wenn sie erschöpft von der Arbeit kommt aber noch lang nicht entspannen kann? Geht es dem Vater gut, wenn er viele Aufgaben des Haushalts aufgetragen bekommt aber eigentlich nicht so richtig damit zurechtkommt?

Vereinbarkeit ist für mich nicht das, was passiert zwischen 8.00 Uhr morgens und 16.00 Uhr nachmittags. Vereinbarkeit ist für mich das, was 24/7 passiert in unserem Alltag. Wie fühle ich mich sobald ich nach einem 10 Stunden Tag nach Hause komme, das Kind noch nicht im Bett liegt und noch ein Berg Wäsche auf mich wartet? Ich fühle mich nicht gut! 

Wir Frauen können das alles gut stemmen. Wir sind zäh und sowieso immer gute Organisationstalente. Wir sehen die Aufgaben und Arbeiten die anfallen und wissen auch was passiert, wenn wir sie nicht erledigen. Deswegen machen wir auch den Haushalt eigentlich so gut wie allein, wenn noch keine Kinder da sind. Bis hierhin ist es ja noch einfach, Job und Haushalt zu erledigen. Wir denken nicht groß darüber nach und lassen so über Jahre eine gewisse Gewohnheit einkehren die dem Mann vermittelt, dass der Haushalt doch nicht so viel Arbeit sei. Sobald Kinder im Spiel sind, sieht es dann doch etwas anders aus.

Leider bekommen wir auch ganz schnell schlechte Laune, sobald wir merken, dass wir nicht alles schaffen. Wir brauchen dann schon jemanden auf den wir uns zu 100 % verlassen können. Sobald wir nicht mehr nur Frau sind, sondern auch Mutter, warten natürlich noch viel mehr Aufgaben auf uns. Zu guter Letzt wollen wir dann auch wieder schnell arbeiten gehen und sehen es erstmal nicht so als große Hürde an, alles unter einen Hut zu bekommen. Es gelingt uns, dieses “Alles unter einen Hut bekommen”, nur wie gelingt es und welche Spuren hinterlässt es?

Es hinterlässt Stress, schlechte Laune, Zündstoff in der Beziehung und viel verloren gegangen Zweisamkeit. Kurz gesagt, die Harmonie geht verloren, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind alles schaffen zu wollen. Wir wollen nach außen die starke Frau sein, die selbstständige und emanzipierte Frau, die allein für sich und ihren Nachwuchs sorgen kann wenn es darauf ankommt. Wir wollen auf keinen Fall zeigen, dass wir einen weiteren Menschen zum Leben brauchen, nämlich unseren Partner der uns den Rücken frei hält. Wir wollen uns nicht komplett fallen lassen und auf gar keinen Fall abhängig  von ihm sein. Das ist dann auch der Grund warum wir am Ende ja doch wieder alles selbst machen und an allem nörgeln was der Partner macht.

Man teilt sich rein in die Familienzeit. Entweder geht Mama lange arbeiten oder eben der Papa. Überlässt man notgedrungen dem Mann ein Stück des Haushalts, der Kinderbetreuung an den Nachmittagen und den anderen Pflichten die da noch anfallen, macht er ja doch alles falsch. Tritt man selbst ein Stück zurück, will man wiederum mehr arbeiten. Ja wir können es uns selbst nicht recht machen und kommen ja eh nicht raus aus diesem Teufelskreis. Diese Situation kann für eine Beziehung belastend sein. Frau hat eben schlechte Laune, wenn sie abends nach Hause kommt und der Mann die Aufgaben, die er erledigen sollte, nicht gemacht hat. Der Mann wiederum stört sich kein bisschen daran ob etwas liegen bleibt und steigt ganz gelassen über den Wäscheberg drüber.

Leider können nur beide etwas dafür tun, dass Harmonie in diese ganze Vereinbarkeitssache einkehrt. Wir Frauen müssen gelassener werden und dem Partner mehr Vertrauen schenken und wir müssen vor allem seine Entscheidungen akzeptieren oder die Art und Weise wie er den Einkauf mit den Kids tätigt. Der Partner muss aber auch Verständnis dafür haben, dass wir Frauen echt Unterstützung brauchen und das wir auch mal geschafft sind sobald wir einen langen Tag hatten. Das heißt dann eben, dass er weiterhin für den Haushalt zuständig ist, auch wenn wir schon 2 Stunden zuhause sind. Wenn ihr Männer den Geschirrspüler einräumt, dann räumt ihr ihn auch wieder aus sobald er fertig ist und wenn ihr die Wäsche angestellt habt, dann hängt ihr sie auch auf sobald sie fertig ist…

Es muss funktionieren, man muss zusammen arbeiten und sich an Absprachen halten. Nur so bleibt das Gefühl, dass beide sich wohlfühlen und das ist das Fundament für eine funktionierende und glückliche Familie. Vereinbarkeit hört nicht an der Kita-Eingangstür auf. Es bedeutet so viel mehr und es ist nicht leicht. Wer behauptet das es leicht wär, den beglückwünsche ich und hoffe das keiner in der Familie zu kurz kommt, auch nicht die Mutter…

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