Einzigartigkeit…

In letzter Zeit fahre ich mit einem mulmigen Gefühl in die Kita. Auf dem Weg dorthin mache ich mir immer Gedanken, denn ich weiß schon vorher, dass irgendetwas wieder auf mich zukommen wird. Damit meine ich gewisse Anmerkungen oder Andeutungen die mir als Mutter ein sehr unangenehmes Gefühl geben. Beschwerden könnte man es auch nennen, denn es ist in letzter Zeit öfter mal vorgekommen, dass die Erzieher der Kita immer etwas auf dem Herzen hatten was den Mini betrifft. Wir werden in letzter Zeit öfter angesprochen und es werden uns Dinge und Situationen geschildert die wir als Eltern nicht nachvollziehen können. Der Mini schwimmt ganz einfach gegen den Strom und das passt den Erziehern anscheinend so gar nicht.

Wir haben uns von Anfang an schwer getan mit der Tagesstätte in der der Mini seinen Tag verbringt. Mittlerweile ist viel Zeit vergangen und der Mini geht nun schon über ein Jahr täglich in diese Einrichtung. Es hatte eine ganze Weile gedauert bis er sich in seiner Gruppe einfinden konnte und doch hat er nie wirklich seinen Platz gefunden. Er fühlte sich immer verloren inmitten von so vielen Kindern und er hatte dort auch nie die benötigte Geborgenheit die er eigentlich so sehr braucht. Er braucht Regeln und einen festen Tagesablauf und vor allem braucht er Erziehung mit einer gewissen Herzlichkeit. Dies ist leider in einer Kita mit fast 170 Kindern gar nicht so einfach umsetzbar. Die Einrichtung kann man sich heutzutage  nicht aussuchen und man ist froh sobald man einen Platz für sein Kind hat. Also nimmt man die Gegebenheiten in Kauf und hofft das beste. Aber nicht jede Kita ist gleich und diese passt nach wie vor einfach nicht zu unserem Kind. Zu viel Freiraum, zu wenig Regeln und zu wenig Erzieher die sich auch mal intensiv mit einem Kind beschäftigen. Die Kinder sind oft auf sich allein gestellt und dies merkt man natürlich auch am eigenen Kind und seinem Verhalten welches daraus resultiert.

Unser Sohn tanzt regelmäßig aus der Reihe. Nicht bösartig sondern eher weil er seine eigene Individualität ausleben möchte. Er macht Dinge die wir als Eltern niemals werten würden und für völlig normal halten, die aber in der Kita oft falsch verstanden werden. Er fährt beispielsweise mit dem Dreirad rückwärts den Hügel herunter oder rennt, sobald er mit dem Essen fertig ist, zur Rutsche die sich direkt neben dem Kinderestaurant befindet und bleibt halt eben nicht sitzen.

Es gibt noch jede Menge mehr Dinge die er tut und die wir als selbstverständlich halten, die aber bei anderen Leuten als unerzogen rüber kommen. Wir ärgern uns darüber, denn wir sind davon überzeugt, dass ein Kind ein Kind ist und sich auch so benehmen darf. Natürlich gibt es bei uns jede Menge Regeln an die er sich halten muss und auch bei uns herrscht oft ein Lautstärkepegel bei dem ich als Nachbar schon längst ausgezogen wäre. Wir erziehen unser Kind und sind der Meinung, dass uns das bis jetzt ganz gut gelungen ist. Dennoch gerät man oft mit den älteren Generationen aneinander, denn diese verstehen die neue offene Art der Erziehung einfach nicht.

Man versucht immer noch  Kinder in eine Schublade zu stecken. Sie sollen gehorchen, immer Still sitzen, stets leise sein und niemals aus der Reihe tanzen. So sehe ich es auch oft in unserer Kita. Es sind einfach zu viele Kinder um der Einzigartigkeit eines jeden Kindes etwas Platz zu lassen. Sie müssen funktionieren und sobald ein Kind aus der Reihe tanzt, fällt dieses negativ auf. Sei es noch so lächerlich über was sich dann am Ende bei uns beschwert wird.

Wir verstehen es oft nicht und doch sind wir die Eltern die die mit jenem mulmigen Gefühl zu Kita fahren weil wir genau wissen, dass der Mini wieder etwas getan hat über das wir als Eltern eigentlich lachen müssen. Wir müssen lachen, denn wir wissen das der Mini es faust-dick hinter den Ohren hat und dass wir zuhause als Eltern mit ganz anderen Dingen fertig werden müssen. Dinge, die wirklich wichtig sind und für uns selbstverständlich mit Erziehung in Verbindung gebracht werden. Dinge wie die tägliche Ernährung, der Umgang mit anderen Kindern, die tägliche Pflege oder das einfache Aufräumen nach dem Spielen. Es gibt unzählige Situationen auf die wir wirklich achten und Wert legen und die auch wirklich wichtig sind für ein Kind. Feste Schlafenszeiten, feste Rituale am Abend, eine gesunde Ernährung oder das einhalten einfacher Regeln innerhalb unserer Familie. Wir sind keine Fans kompletter antiautoritärer Erziehung aber wir akzeptieren die Persönlichkeit und den Charakter unseres Kindes. Wir akzeptieren seinen eigenen Kopf und dass er sich den Teller fürs Essen allein aussuchen möchte. Wir akzeptieren die Wahl des Pyjamas am Abend und wir tolleren es auch, wenn er verkehrt herum in seinem Bett schlafen möchte. Er darf seine Persönlichkeit ausleben und die damit verbundenen Ideen und die Kreativität die in ihm steckt.

Es ist aber nicht nur der Alltag in dem wir solche Situationen erleben. Es ist auch das Wochenende oder der Urlaub in dem wir oft in Situationen geraten die vielleicht andere ältere Personen einfach nicht verstehen. Das komische daran ist, unserer Generation, Bekannte oder Freunde mit Kindern in dem gleichen Alter, würden nie auf die Idee kommen solche Momente überhaupt zu werten oder in Frage zu stellen. Vielleicht kennen diese einfach solche Momente selbst zu gut oder sind einfach gelassener. Kinder werden heutzutage eben viel offener und selbstbewusster erzogen und ich finde dies auch völlig in Ordnung.

Man gerät eben immer nur mit der älteren Generation aneinander wenn es um Dinge geht über die man sich eben streiten kann. Dinge die ein Kind macht weil es Spaß daran hat und keineswegs böse Absichten hatte oder damit vor hatte jemanden zu ärgern oder zu verletzen. Ganz einfache Momente eben wie das Fluten des Badezimmers weil es in der Wanne wild herum plantscht oder das Essen der Suppe mit einer Gabel. Ein Kind möchte experimentieren und die Welt mit seinen Augen entdecken und ein Kind möchte und sollte sich keinesfalls wie ein Erwachsener benehmen. Dafür ist die Kindheit doch da oder?

Unser Sohn ist dennoch nicht einfach. Er nutzt jede Minute um eben seine Kreativität und seinen eigenen Kopf ausleben zu können. Er hat eine eigene Vorstellung und möchte diese auch umsetzten. Er will sich versuchen an Dingen für die er eigentlich noch viel zu jung ist und ist an allem interessiert. Wir müssen ihn oft bremsen und genau deswegen braucht der Mini gewisse Regeln an die er sich halten muss. Ein Rahmen sozusagen, in dem er sich frei bewegen und ausprobieren kann, muss immer wieder neu geschaffen werden und dies ist nicht immer einfach.

Ich kann ihn oft verstehen, denn ich bin ganz genauso. Er hat eben viel von seiner Mutter und eben auch genau diesen Dickkopf. Ich gerate heute als erwachsene Frau immer noch in Situationen in denen ich in die Luft gehen könnte, weil Dinge nicht so eintreten wie ich sie mir ausgemalt hatte oder weil eben irgendetwas nicht so funktioniert wie ich das gern hätte. Natürlich ist das nicht einfach aber es hat auch Vorteile einen starken Willen und diesen extremen Ehrgeiz zu haben. Es ist nicht immer alles schlecht, man muss nur damit umgehen können und genau das können viele andere Menschen eben nicht. Genau da sollte man ansetzten und verstehen, dass jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit hat und jeder seine Einzigartigkeit hat die ihn ausmacht. Man sollte akzeptieren, dass auch schon Kinder einen eigenen Charakter haben und sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Genau dies würde ich mir wünschen, von der älteren Generation und vor allem auch von Einrichtungen die eigentlich darauf spezialisiert sein sollten. Einrichtungen die vorher versprechen, dass jedes kind sich frei entwickeln darf und sich dann doch am Ende nicht daran halten.

Aber oft kann man an diesen Dingen nichts ändern. Man muss als Eltern heutzutage wohl damit klar kommen dass moderne Erziehungsmethoden immer noch in Frage gestellt werden. Man muss sich durchkämpfen und das eigene Wohl und das Wohl des eigenen Kindes im Auge behalten. Man muss seine eigenen Vorstellungen von Erziehung im Auge behalten und sollte sich auf keinen Fall für andere Menschen und deren Verbesserungsvorschläge verbiegen.

Jedes Kind ist einzigartig und jedes Kind ist anders. Wir sollten aufhören mit dem Vergleichen und akzeptieren, dass nicht jedes Kind immer mit dem Strom schwimmt…

 

 

 

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