Erziehungskram….

Kinder sollen sich frei entfalten können, dass ist klar und jeder wünscht sich dies auch sicherlich für sein eigenes Kind. Ich persönlich möchte aber auch, dass unser Kind erzogen wird und dabei kann ich mich nicht nur auf uns verlassen…

Das eigene Kind sollte schon Erziehung genießen, so sieht es auch wahrscheinlich jede Mutter und jeder Vater. Das Kind soll sich ungezwungen entwickeln können, es soll eine schöne und unbeschwerte Kindheit haben aber es soll auch gewisse Regeln lernen und verstehen können. Sobald das Kind in eine Betreuungsstätte kommt, ist es fast selbstverständlich, dass sich dann auch andere Personen an der Erziehung des eigenen Kindes beteiligen. Zumindest geht man davon aus. Nur wird das eigene Kind tatsächlich auch von den zuständigen Personen in den Kitas oder Kindergärten mit erzogen? Wer übernimmt die Verantwortung für die Erziehung? Derjenige der die meiste und wichtigste Alltagszeit mit dem Kind verbringt oder derjenige der eigentlich wirklich dafür verantwortlich ist?

Wie sieht es bei euch so aus? Wie werden eure Kinder in der Kita erzogen oder werden sie überhaupt dort erzogen? Bei uns ist es jedenfalls nicht so und doch würden wir uns das sehr wünschen. Der Mini ist nun 3 Jahre alt und gerade in einem Alter in dem die Erziehung sehr wichtig ist. Ihr kennt es ja sicherlich auch. Die Kinder kommen irgendwann in ein Alter in dem die Trotzphase beginnt, in dem der eigene Willen entdeckt wird und natürlich auch ausgelebt wird. Die Kids sind irgendwann so weit die eigenen Ideen und Vorstellungen durchsetzen zu wollen und genau in diesem Alter sollte die Erziehung einsetzten. Es gibt sicherlich unzählige Beispiele an denen man zeigen kann wie wichtig Erziehung für unsere Kinder ist. Wir selbst waren auch mal Kinder und wurden auch erzogen. Was wäre sonst aus uns geworden, wenn wir von Anfang an keine Grenzen gehabt hätten und unseren Willen immer durchgesetzt hätten. Es gibt nun mal Regeln an die man sich halten sollte um seinen Platz in unserer Gesellschaft zu finden. 

Erziehungskonzept

Jede Betreuungsstätte hat ein Erziehungskonzept nach dem der Alltag ausgerichtet wird. Es gibt mittlerweile viele durchdachte Konzepte die oft für die Stärken und nicht gegen die Schwächen der Kinder ausgerichtet sind. Die Kinder sollen sich frei entfalten, die Welt selbst entdecken und ihre Konflikte selbst lösen können. Ab wann aber weiß denn ein Kind was richtig und was falsch ist und was passiert wenn die Kinder durch das eigene Entdecken der selbst ernannten Grenzen ein leicht verschobenes Bild von Gut und Böse bekommen?

Im Moment geht unser Mini in eine Kita. Wir haben sehr lang auf den Platz warten müssen und waren natürlich sehr froh als wir die Nachricht erhielten, dass der Mini einen Platz hat. Wir sind angewiesen auf einen Platz in einer Kita, denn auch wir müssen arbeiten. Der Mini muss also betreut werden und dies wird er auch momentan ganz gut. In unserer Kita wird ein Erziehungskonzept namens Reggio-Pädagogik gelebt. Grundpfeiler der Reggio-Pädagogik sind folgende:

-Individuelle Entfaltung
-Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung
-Wertschätzung
-Lernen in Projekten
-Dokumentation der pädagogischen Arbeit
-Elternbeteiligung und deren Mitverantwortung

Wer also übernimmt die Aufgabe der eigentlichen Erziehung? Wir als Eltern haben unser Kind nach 17 Uhr. Wir verbringen dann etwa 3 Stunden mit unserem Kind in dem wir dann aber auch noch Erziehung ausleben sollten. Gerade weil man als Eltern so wenig Zeit mit dem eigenen Kind verbringt, tut man sich doch schwer die wenigen Stunden mit strenger Erziehung zu verbringen. Man lässt dann doch die einen oder anderen Sachen durchgehen in der Hoffnung, dass das Kind den eigentlichen Tag schon viele Grenzen und Regeln erlebt und verstanden hat. Die Kita aber verlässt sich natürlich auf die Eltern. Klar, denn immerhin sind die Eltern ja verantwortlich für ihre Kinder und schon bleibt die Frage der Erziehung in der Luft hängen und keiner fühlt sich eigentlich dafür verantwortlich.

 die kleinen feinen Unterschiede…

Als wir die Zusage zum Platz für den Mini bekamen waren wir ganz begeistert. Ein Konzept welches sehr zu unserem Sohn passt, hatte uns sehr glücklich gestimmt. Hoffnungsvoll blickten wir in die zukünftige Zeit des Minis in der Kita. Wir selbst verstanden unter dem Konzept eine Art und Weise welche den Kindern ganz viel Freiraum zur Entfaltung lässt. Der Hauptgedanke dahinter ist der, dass die Kids ihre Welt in ihrem eigenen Tempo und spielerisch entdecken. Wichtig dabei ist auch, dass eine Aufzeichnung der Entwicklung angefertigt wird. Man soll also die Entwicklung nachvollziehen können. Eigentlich alles ganz in Ordnung. Wenn aber keiner sich für die wichtigen Dinge verantwortlich fühlt, wird in manchen Situationen nicht oder nur zu wenig eingegriffen. Es gibt Situationen in denen ein Kind auch mal eine Grenze braucht. Es gibt Momente in denen ein Erzieher auch mal eingreifen muss und den Kindern klar machen muss, was falsch und was richtig ist. Leider wird in wirklich gefährlichen Situation nicht eingegriffen, weil die Kinder ihre Konflikte selbst austragen sollen. Genau hier gibt es kleine feine Unterschiede in denen klar sein muss wer sich jetzt verantwortlich für das Eingreifen und Aufklären der Kinder fühlt. Natürlich fühlt sich die Kita nicht verantwortlich und so hatten wir schon oft die Situation, in der uns gesagt wurde, dass wir zu Hause mit unserem Kind über das Ereignis sprechen sollen, was aber nach 17 Uhr wenig Sinn ergeben würde, weil das Ereignis schon ein paar Stunden her ist….Das Kind bekommt also im Moment des Geschehens keinen Trost oder keine Grenze aufgezeigt und sehr viel Zeit später soll das Thema dann wieder aufgewärmt und auf den Tisch gebracht werden. Nämlich genau dann, wenn die Eltern die wenige Zeit mit ihrem Kind genießen wollen. Es wird also nicht darüber gesprochen und schon bleibt das Kind unerzogen und verwirrt zurück. Ich frage mich ob dies wirklich sinnvoll ist.

Erziehung findet in unserer Kita also eher weniger statt und ich kann das durchaus verstehen. Sind wir mal ehrlich, wir leben in einer Zeit in denen viele Eltern sich nur sehr ungern etwas sagen lassen und sich schnell übergangen fühlen, sobald das Kind von einer anderen Person zu Recht gewiesen wird. Aber wäre das wirklich so schlecht? Könnte man stattdessen nicht lieber dankbar dafür sein, dass das Kind auch in der Betreungsgstätte mit erzogen wird und so den Eltern zumindest etwas mehr Elternarbeit abgenommen wird? 

 wir haben den Vergleich…

Warum achten wir so sehr darauf? Nun, es ist ja so, dass der Mini sein erstes Jahr, in dem er fremd betreut wurde, bei einer Tagesmutter verbracht hatte und so haben wir einen direkten Vergleich. Unsere Tagesmutter war hart aber herzlich und hatte die Kinder die sie betreute im Griff. Sie konnte mit vielleicht gerade mal 18 Monate alten Kindern ganz entspannt durch die Stadt gehen ohne dass auch nur ein Kind sich von ihrer Hand oder dem Zwillingswagen losgerissen hätte. Diese Tatsache hatte mich jedes Mal aufs Neue beeindruckt. Sie nahm sich die nötige Zeit die Kinder zu trösten wenn sie traurig waren, auch wenn es 15 Minuten dauerte. Sie sang den Neuankömmlingen immer etwas vor damit sie sich beruhigten und behielt sie auf dem Arm damit sie sich schneller einleben konnten und sich sicherer fühlten. Sie bot den Kindern aber auch die Stirn und setzte Grenzen. Wollte ein Kind (unser Mini!) nicht essen und hat Theater am Tisch gemacht, wurde er ausquartiert und in den Flur verbannt. Schmiss ein Kind mit Holzbausteinen um sich (der Mini!) dann griff sie sofort ein und nahm das Spielzeug weg und erklärte ihm auch warum dies nicht in Ordnung sei. Wer nicht ordentlich damit spielte, bekommt es eben auch nicht. Der Mini war umgänglicher und hörte einfach mehr auf das was die Erwachsenen sagten und bestimmten und seine Hörner wuchsen bei einem Trotzanfall einfach nicht ganz so sehr aus. Seit dem wir den Mini täglich in die Kita bringen haben wir, ehrlich gesagt, jeden Tag aufs Neue mit ihm zu kämpfen. Ich wundere mich nicht darüber denn wenn ein Kind knapp 9 Stunden lang machen darf was es will, dann hört es auch zu Hause nicht auf die eigenen Eltern…

 keine Zeit mehr für das eigene Kind…

Wieso verlange ich überhaupt mehr Erziehung in der Kita? Es ist bei uns so wie in vielen anderen Familien auch. Wir gehen arbeiten und wir tun das nicht nur um Geld zu verdienen, sondern auch, um uns der Gesellschaft anzupassen. Wenn ich selbst als Mutter mehr Erziehung und Zeit meines Kindes übernehmen möchte, dann müsste ich meinen Job an den Nagel hängen und dann wäre ich die Hausfrau die sich auf dem Erfolg ihres Mannes ausruhen würde. So oder so ähnlich schimpfen wir doch gerade immer wieder über Mütter, die die Erziehung ihrer Kinder selbst in die Hand nehmen, oder? Ja und da haben wir jetzt den Salat… Wir sind beide arbeiten und verbringen so täglich gerade mal 3 Stunden mit unserem Kind. Es geht nicht anders, denn schon alleine ich habe keinen Büro-Job und so auch keine praktischen 9to5 Arbeitszeiten. Es gibt mehrere Tage in der Woche an denen ich nicht vor 20 Uhr nach Hause komme und an solchen Tagen genieße ich die wenigen Minuten mit dem Mini und lasse auch eine halbe Stunde länger Aufbleiben durchgehen. In 3 Stunden kann man sein Kind nicht erziehen und da hilft auch keine Quality-Time! Die Lösung wäre mehr Zeit durch weniger Arbeiten aber das wäre ja auch irgendwie blöd…

Es ist ein Teufelskreis wenn ihr mich fragt, denn die Kinder müssen in eine Kita untergebracht werden damit Mama und Papa arbeiten gehen, erfolgreich sein die meiste Zeit des Tages eben nicht mit dem eigenen Kind verbringen können. (Ja ich finde diesen Karriere-Käse völlig überzogen und doch ordne ich mich der Gesellschaft unter…) Einen Kita-Platz kann man sich wiederum nicht aussuchen und man muss nehmen was man kriegen kann. In den Kindertagesstätten gibt es keine wirkliche Erziehung mehr und so befinden wir uns in einem Teufelskreis in dem wir nur hoffen können, dass das eigene Kind nicht irgendwann durchdreht. Natürlich ist dies nicht überall gleich und es gibt sicher noch eine Menge netter kleiner Kitas in denen es ganz anders läuft. Leider kann man sich den Betreuungsplatz nicht aussuchen und wenn doch, dann hätte ich locker drei Jahre zu Hause bleiben müssen bis ich den passenden Platz bekommen hätte.

Die modernen Konzepte der Kitas und Kindergärten sind durchdacht  und gut geplant. Jede Kita ist wahrscheinlich anders aber auch jedes Kind ist anders und manchmal passt die Einrichtung auch einfach nicht zum Kind  oder der zu den Vorstellungen der Eltern. Dennoch kann man es sich nicht aussuchen. Man nimmt eben den Platz und die Kita die man bekommt. Eigentlich lässt sich dies auch alles gut aushalten und sicher hat jedes Erziehungskonzept seine Vorteile und seine Nachteile. Ich vermisse nur die Verantwortlichkeit über die wichtige Erziehung. Man sollte darüber vielleicht gerade mit den Erziehern viel mehr sprechen. Man muss wichtige Punkte abklären und sich untereinander abstimmen. Nur wenn man Hand in Hand arbeitet und sich abspricht, kann es funktionieren….Leider ist ein individuelles Miteinander in einer sehr großen Kita nicht möglich. Da werden keine Extrawürste gemacht. Es wird mit jedem Kind gleich umgegangen sonst würde man den Überblick verlieren.

Was wäre also die Lösung des Problems?

Weniger Arbeiten und dadurch mehr Zeit fürs Kind? Mehr kleinere Kitas und weniger Fremdbetreuung? Mehr Erziehungsarbeit in den Kitas und hoffentlich einsichtige Eltern die sich dagegen nicht aussprechen? Ich bin etwas Ratlos…

 

  2 comments for “Erziehungskram….

  1. 15. Mai 2016 at 16:44

    Du sprichst mir damit total aus der Seele, hier ist es genau das Gleiche. Erziehung im Kindergarten muss meiner Meinung nach unbedingt sein, egal wie lange die Kinder da sein oder wie viel man selbst arbeitet. Was ich nämlich beobachte ist eine Komplettverwirrung des Kindes, denn es erlebt zu Hause Regeln und dann gibt es im Kindergarten nichts. Mehr noch, dort erlebt es, dass Dinge, die zu Hause kommentiert werden, null beachtet werden (im Schlimmsten Fall sogar cool sind und von anderen Kindern beklatscht werden.) Bei jeder Elternversammlung aber wird mir klar, wie schwer die Aufgabe der Erzieher*innen ist, denn es gibt keine einheitliche Sichtweise. Bei Hauen und Beißen ist man sich vielleicht grad noch einig, aber schon beim Benehmen bei Tisch geht bei manchen alles und bei anderen ist noch 19. Jahrhundert.

    • 15. Mai 2016 at 16:53

      Also ich muss dir ehrlich sagen, bei uns wird nicht mal beim Beißen oder Hauen eigegriffen. Wir waren schon oft anwesend als der Mini gerade so richtig böswillig von einem anderen Kind angegriffen wurde und keiner der Erzieher hat sich bewegt. Das macht uns sehr sauer, denn nicht nur der Mini fühlte sich in dieser Situation völlig im Stich gelassen und denkt dadurch womöglich noch das Beißen wäre zu Recht gewesen, auch das Kind das gebissen hatte fühlte sich im Recht. Das ist nur ein Beispiel von ganz vielen Situationen und jedes Mal wird uns gesagt, dass die Kids so ihre Konflikte austragen. Na Dankeschön….
      Ich sehe also, ich bin nicht allein mit dieser Tatsache. Ich wünsche euch viel Glück und hoffe euerem Kind geht es dennoch gut in der Kita. Wir versuchen gerade einen anderen Platz zu bekommen und hoffen, dass wir bis zum Umzag im November einen finden werden….
      Liebe Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn du weiterlesen möchtest, akzeptiere bitte die süßen Kekse... mehr davon...

Dieser Blog läuft nur mit ausreichend Keksen! Wir lieben die doch alle oder? Die Einstellung dafür ist automatisch auf akzeptieren gesetzt.

Weg damit!