Gewissensbisse einer nicht perfekten Mutter

 
Das schlechte Gewissen, ich habe es jeden Tag. Warum ich jeden Tag aufs Neue Gewissensbisse habe, kann ich euch erklären. Die liebe Herzmutter hat sich gefragt, wie die berühmten Supermütter alles immer so perfekt hinbekommen. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht.
 

Ich bin keine Supermutter

Die treuen Leser wissen bereits das mein Sohn kein ruhiges Kind ist und das mein Partner und ich immer versuchen, alles locker und gelassen anzugehen. Gerade weil unser Sohn so sehr agil und aufgeweckt ist, müssen wir uns oft gewisse Tricks einfallen lassen, um ihn zu bändigen. Nach außen kann das dann oft etwas komisch aussehen und dennoch ist unser Alltag dadurch wirklich entspannter und ruhiger. Jeden Tag machen wir Dinge die nicht gerade den neuesten Ratgebern oder den gut gemeinten Ratschlägen  entsprechen. Wir sind dadurch keine perfekten Eltern und schon gar nicht bin ich eine perfekte Mutter, wer ist das schon! Ich hab dadurch leider jeden Tag ein schlechtes Gewissen.
Ein Kind das seinen eigenen Kopf hat und genau weiß was es will, hält absolut nichts von straighten Erziehungsmethoden. Wenn ich krampfhaft versuchen würde alle vorzeige-Erziehungsmethoden umzusetzen, dann würde ich mir selbst meinen Alltag mit Stress füllen. Als Eltern würden wir dann selbst genervt und frustriert sein. Was bringt einem das? Man versucht dann alles, dass sein Kind schnellst möglich trocken ist und brav jeden Abend sein Dinkelvollkornbrot isst und hat aber Stunden mit Jammern und Wutausbrüchen hinter sich.
Ich bin der Meinung das dies unglücklich macht. Ich möchte mit meiner Familie und dem dazugehörigen Alltag glücklich und zufrieden sein. Auch wenn das heißt, dass ich nicht alles perfekt mache und manche Sachen durchgehen lasse, die ich selbst nicht schlimm finde. Auch hilft es sein Kind und seine Persönlichkeit einfach zu nehmen wie es ist und sich nicht immer den Kopf zu zerbrechen, warum das Kind nicht so gehörig ist wie manch anderes Kind. Wenn ich mir den ganzen Tag darüber Gedanken machen würde, dann stresst mich das doch nur selbst. Mein Grundsatz auch dazu wieder: Die Dinge einfach so akzeptieren wie sie sind und das beste daraus machen.

Unsere Erziehungs-Sünden

Was mache ich also nicht perfekt.
Mein Sohn ist so temperamentvoll und agil, dass ich ihn oft im Kinderwagen sitzen lassen muss. Während andere Kinder, in etwa dem gleichen Alter, brav an der Hand laufen, hat mein Sohn sich schon dreimal losgerissen, rennt davon und schreit vor Freude das ganze Viertel zusammen. Ich muss ihn also oft beim spazieren gehen im Wagen lassen, sonst würde ich in einer Stunde nur 10 Meter voran kommen und würde die ganze Zeit auf ihn einreden müssen, das er doch bitte mitkommt. Ich versuche es trotzdem hin und wieder. Wenn ich ihn nach einem gescheiterten Versuch wieder in den Wagen setzen will, kommt sein eigener Willen durch und es gibt lautes Theater. Skeptische Blicke bekomme ich dann immer und trotzdem ist mir das mittlerweile egal.
Es gibt Tage an denen ist mein Sohn nach der Tagesmutter so müde und launisch, das ich einfach mit ihm drinnen bleibe. Wir spielen dann zusammen in seinem Zimmer oder ich lass ihn einfach allein spielen. Ich weiß, das wenn er so drauf ist, es nichts bringt, ihm etwas aufzuzwingen. Manchmal schläft er sogar direkt nach der Betreuung nochmal. Das schlechte Gewissen kommt auch hier jedes mal. Ich habe einfach mehr davon, wenn mein Sohn sich dann in Ruhe zuhause runter fahren kann, als wenn ich mit einem quengeligen und müdem Kind auf den Spielplatz gehe und er die ganze Zeit Theater macht. Solche Tage sind natürlich selten aber trotzdem mache ich mir Gedanken darüber.
Früh morgens, gleich nach dem Aufstehen, bekommt unser Sohn seine Milch und trinkt sie friedlich und genüsslich in seinem Laufstall. Danach spielt er noch etwas und mein Partner und ich können so in Ruhe gemeinsam noch einen Kaffee trinken und uns fertig machen. Erst wenn ich fertig bin, mache ich meinen Sohn dann für die Tagesmutter fertig. Wir frühstücken nicht zusammen, er bekommt sein Frühstück gemeinsam mit den anderen Kindern bei der TM. Es ist für uns ok, denn dadurch fängt unser Tag wirklich entspannt und ohne Stress an.
Mein Sohn darf so oft er will seinen Schnuller nehmen. Es beruhigt ihn einfach. Wenn er also müde und quengelig ist, könnte ich entweder darauf beharren das er den Schnuller nicht mehr nimmt und lasse ihn dann weinen oder ich geb ihm einfach seinen Schnuller und er ist sofort glücklicher und beruhigter. Die Schnuller sind doch heutzutage wirklich gut geformt, sodass es eben nicht gefährlich ist für den Kiefer und die Zahnstellung. Was spricht also gegen dieses Teil? Ich finde es nicht schlimm und denke das unser Sohn seinen Schnuller noch lange brauchen wird. Es gibt ihm ein Gefühl von Trost und Sicherheit. Auch hier bin ich keine vorzeige-Mama. 
Abends bekommt er immer noch seinen Brei. Er mag ihn und es schmeckt ihm. Ich mache den Brei immer selbst mit Vollmilch und Vollkorn-Flocken, ohne Zucker und mit Obst. Ungesund ist dieser Brei also nicht. Trotzdem kommen auch hier jeden Abend die Gewissensbisse. Er sollte doch jeden Abend sein Vollkornbrot essen, denke ich mir dann. Wir haben das schon öfter versucht, jedoch lehnt er es entweder komplett ab oder er isst sich dann nicht richtig satt und schläft demzufolge nicht durch. Wir bleiben also lieber noch etwas beim Brei.
Auch sitzt er noch nicht brav auf dem Töpfchen. Versucht haben wir auch dies, jedoch ohne Erfolg. Er hat sich sofort dagegen gewährt und wusste gar nicht was er auf dem Ding sollte. Ich könnte ihn auch hier zwingen, jeden Tag aufs Neue und krampfhaft versuchen ihn trocken zu kriegen, mach ich aber nicht. Unsere Tagesmutter setzt alle 5 Kinder immer zusammen zu den Zeiten auf das Töpfchen. Sie selbst sagte zu mir, das unser Kind sich noch Zeit lassen kann und das es Nichts bringt, solange das Kind noch nicht versteht, wann es mal muss. Wenn sie alle Kinder gemeinsam auf das Töpfchen setzt, dann bleibt sogar unser Sohn sitzen. Auch wenn er noch keinen Treffer landet, lernt er doch nach und nach zu verstehen was da geschieht. Das finde ich angemessen und richtig. Er soll kein Trauma bekommen nur weil ich ein 16 Monate altes trockenes Kind haben möchte und ihn dazu stundenlang auf dem Topf festhalten müsste. Da bleibe ich doch lieber die un-perfekte Mutter und erspare mir und meiner Familie eine Menge Stress und Unzufriedenheit.

Supermutter, ich pfeife drauf !

Ich glaube die Supermutter, bei der alles von Anfang an klappt, gibt es nicht. Wir haben wie gesagt, einen angenehmen und stress-freien Alltag, aber eben nur durch unsere gewissen Erziehungs-sünden. Unser Kind schläft seit dem 3. Monat durch und ist auch sonst den ganzen Tag lieb und freundlich. Er hat aber eben auch seinen eigenen Kopf und Willen und möchte dies durchsetzen. Er ist wie er ist und wir akzeptieren ihn so.
Nicht nur er soll Respekt vor uns haben, auch wir haben Respekt vor ihm und seiner Persönlichkeit. Wir sind also keine Supereltern und wollen das auch nicht sein. Wir legen mehr Wert auf ein harmonisches Miteinander als auf ein perfektes Gegeneinander. Ich vertraue mehr auf meinen mütterlichen Instinkt als auf ungewollte Ratschläge und irgendwelche Ratgeber. Klar achte ich trotzdem darauf, das er gut erzogen wird und das er gesund ernährt wird. Aber Dinge wie Töpfchen,Schnuller und Co sind Sachen, die jeder individuell entscheiden sollte.
Ich bin ehrlich, besagte Supermütter, deren Kinder ruhig, lieb und gehorsam sind, sich niemals im Supermarkt auf den Boden schmeißen und mit 12 Monaten trocken sind und keinen Schnuller oder Brei mehr brauchen, sind mir noch nicht begegnet. Und falls mir doch mal eine über den Weg läuft und meint, sie könnte mir aus meiner Rabenmutter-Lage mit ihren perfekten Ratschlägen helfen, dann schalte ich auf Durchzug. Wir lieben unser Kind so wie es ist, laut, temperamentvoll und eigenwillig, und finden unser Familienleben toll, auch mit unseren täglichen Sünden, denn es erleichtert einfach das Zusammenleben und lässt uns so mehr glückliche Momente erleben.
 
Liebe Hermutter, mach Dir keinen Kopf, es ist gut so wie Du es machst. Und wenn Ihr als Familie so glücklich seid und gut miteinander auskommt, dann ist es vollkommen ok. Wie Du siehst, machen wir vieles falsch und manch eine Mutter würde wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ist uns egal, solange wie wir glücklich sind, ist es für uns der richtige Weg.
 

 

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  4 comments for “Gewissensbisse einer nicht perfekten Mutter

  1. 14. September 2014 at 21:13

    Hi Nina, ich bin durch Herzmutter auf deinen Blog aufmerksam geworden und das, was du als Fehler beschreibst, mache ich auch alltäglich und habe es noch nie als ein Fehler angesehen!
    16 Monate?! Lass ihm seine Flasche, seinen Brei und seinen Schnuller! Wer, zum Teufel, verurteilt denn das?
    Mein Sohn ist bereits 21 Monate alt und ich werde eher skeptisch beäugt, dass er nur selten in Windeln ist „Das ist aber eher andressiert, oooooder?“. Er bekommt auch seinen Schnuller wann immer er ihn braucht und manchmal mache ich ihm auch Milchreis mit Zucker (oh neeeeiiiiin, bitte steinigt mich nicht). Das macht mich noch lange nicht zu einer schlechten Mutter. Ich liebe meinen Sohn, würde alles für ihn und sein Glück aufgeben, und tue jeden Tag mein Bestes. Und die Dinge, die du aufgeschrieben hast machen dich alles andere als schlecht.
    Es kann dir natürlich egal sein, was ich denke, denn wir kennen uns nicht, aber alles was ich lese wirkt auf mich sehr, sehr richtig. <3
    Sorry, für die Länge des Kommentars.

    • 15. September 2014 at 11:32

      Vielen Dank das macht Mut und bestärkt mich. Ich muss dazu sagen, ich komme aus Halle an der Saale und zu DDR-Zeiten war es wohl normal wenn die Kinder mit 12 Monaten trocken waren, selbstständig gegessen haben usw. Zumindest wird mir das von der nächst älteren Genaration immer so vorgehalten und deswegen bekomme ich schon jetzt oft Kritik auch wenn mein Sohn erst 16 Monate alt ist. Traurig aber wahr. Ich danke Dir für dein Kommentar. Liebe Grüße Nina

  2. tine
    15. September 2014 at 15:00

    Hi,
    wenn ich deinen Artikel mal Schritt für Schritt durchgehe würde ich sagen:
    Absatz eins, Kind angeschnallt lassen: Vielleicht nicht perfekt, sieht aber auch nicht nach Drama aus.
    Absatz 2, Kind zuhause runterschalten lassen, anstatt irgendwelche angeblich bessere Alternativen zu erzwingen: Perfekt
    Absatz 3, entspanntes Frühstück für alle: Perfekt
    Absatz 4, Schnuller, der ihn beruhigt: Perfekt
    Absatz 4: gesunder Brei, den er mag, anstatt Brot, das er nicht mag: Perfekt
    Absatz 5: Entspannung beim Thema trocken werden, und auf seine Bedürfnisse hören: Perfekt

    Dann mal weiter so!
    Viel Grüße, tine

    • 16. September 2014 at 20:32

      Dann bin ich ja doch fast eine perfekte Mutter 🙂 Danke, das macht Mut. Liebe Grüße Nina

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