Ich bin eine Mom, aber nicht nur!

Karriere-Mutter

Das blöde schlechte Gewissen einer Rabenmutter…

Seit einigen Tagen denke ich sehr über meine momentane Lebenslage nach. Ich glaube das macht man so in den Zwanzigern. Immer mal wieder stellt man alles in Frage und glaubt einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Es wird alles überdacht und distanziert betrachtet. Selbstzweifel kommen in einem hoch. MAN, ich will bitte aus den anstrengenden Zwanzigern raus und rein in ein Alter, in dem ich mich meinem Schicksal einfach hingebe! Danke…

Man traut sich das zwar als Mutter nicht wirklich auszusprechen, aber man fragt sich schon manchmal, ob man den richtigen Zeitpunkt gewählt hat eine Mom zu werden. Natürlich liebt man sein Kind über alles und kann sich das Leben nicht ohne vorstellen, aber die böse Frage an sich selbst bleibt und hat sich doch jede Mutter schon mal gestellt.

Mittlerweile ist der Zwerg nun eben kein Baby mehr. Die angenehme Zeit bricht an. Er fühlt sich wohl bei der Tagesmutter und sicher auch bald in der Kita. Ich muss sogar ein bisschen loslassen. Sei es in Form vom Gitter-Bettchen umbauen oder das er gerade seinen eigenen Willen entwickelt und versucht auszuleben. Er ist gern mit anderen Kindern zusammen und genießt die Zeit. Er ist ja jetzt auch nicht unbedingt das anhängliche Kind, was uns natürlich sehr viel Freiheiten einräumt. Im Allgemeinen hat sich unser Leben, seit dem wir Eltern sind, nicht viel geändert. 

Ich muss zugeben, ich hab es mir anders vorgestellt. Betrunken von viel zu vielen Hormonen in der Schwangerschaft, stellte ich mir ein Leben mit Kind anders vor. Ich dachte alles würde sich ändern und ich würde nur noch für mein Kind leben. Ich dachte ich würde eine Übermutter werden. Ein Glucke die immer nur rum-helikoptert. Das bin ich aber nicht geworden und vor allem ist unser Leben so nicht geworden.

Wenn ich unseren Alltag mal betrachte wird mir klar, dass ich eigentlich wenig Zeit mit dem Zwerg verbringe. Er ist 8 Stunden in der Betreuung, bald 9 Stunden täglich. Wir verbringen am Tag vielleicht max. 5 Stunden miteinander. Hinzu kommt das er oft bei den Großeltern übernachtet und da beide Seiten der Eltern getrennt sind, haben wir gleich doppelt so viele Omas und Opas. Wir haben also immer jemanden der das Enkelkind gern über das Wochenende bei sich haben möchte.

Ich fühle mich schon etwas schlecht, wenn ich das so genau betrachte. Aber ich habe vor allem in den letzten Monaten auch gemerkt, dass es mich glücklicher macht mein eigenes Leben weiter leben zu dürfen. Der Arbeit nachgehen, seine eigenen Ziele verwirklichen und vor allem man selbst zu bleiben bedeutet mir immer mehr. Was für eine Rabenmutter oder?

Aber warum sollte ich ein schlechtes Gewissen haben? Wichtig ist doch, das man als Eltern glücklich und ausgeglichen ist um überhaupt gute Eltern sein zu können. Ist es zu Hause harmonisch und entspannt, bin ich überzeugt, dass es dem Zwerg nicht schadet wenn er auch mal woanders übernachtet oder mehr Zeit am Tag in der Kita verbringt als zu Hause. Dafür erwartet ihn eine angenehmes Zuhause.

Mittlerweile sehe ich das so: Unser Kind hat unser Leben bereichert, nicht geändert. Er begleitet uns eine ganze Zeit lang in unserem Leben und ist ein Teil davon. Wir haben immer noch genau so viele Freiheiten, wir müssen sie uns nur gegenseitig gönnen. Ich bin genau noch die, die ich war. Ich habe nicht von schicken Schuhen auf Sandalen mit Socken gewechselt und ich bin froh das es so ist. Ich genieße die Zeit ohne Kind und freue mich aber auch, wenn ich meinen Sohn bei mir habe. Ich bin wirklich froh das sich nicht viel geändert hat!

Liegt das jetzt an den Zwanzigern? Habe ich Angst älter zu werden?

Vor einiger Zeit habe ich das noch alles anders betrachtet. Ich habe mich über Karriere-Mütter aufgeregt. Ich fragte mich warum die denn bitte überhaupt Kinder bekommen. Und nun sitze ich selber da als Mom, die nicht auf die Arbeit und das Hobby verzichten möchte und manchmal sogar lieber im “Business” kleben bleibt als auf dem Spielplatz. Tja und da kommt dann diese böse Frage an sich selbst. Hab ich alles richtig gemacht in der Vergangenheit?

Ja das habe ich, denn mein Leben wurde bereichert durch mein Kind, nicht etwa umgekrempelt.

Ich bin sehr glücklich mit dieser Situation, kann mir die Frage an meinen Freund aber nicht verkneifen, ob wir denn jetzt Rabeneltern wären. Er antwortet ziemlich selbstsicher darauf  mit “nein”.

Ich wollte immer eine junge Mutter werden, sehe darin einfach mehr Vorteile. Und es war ja schließlich ein Herzenswunsch der mich unangekündigt voll unter Kontrolle hatte. Man kennt das als Frau…. Leider kollidiert das mit den nachdenklichen Zwanzigern manchmal ganz schön doll. Blöd!

 

Was ist jetzt wohl das beste? Nicht nachdenken, leben! Ich bin ja nicht ewig in den Zwanzigern….

 

 

  5 comments for “Ich bin eine Mom, aber nicht nur!

  1. 26. Februar 2015 at 9:03

    Liebe Nina,

    es ist einfach wichtig, dass man sich selbst ernst nimmt und sich nicht aus den Augenverliert… du musst die also ganz uns gar nicht Vorwürfe machen…

    Liebe Grüße
    Nicole

    • 26. Februar 2015 at 9:38

      Hallo liebe Nicole, ich danke Dir für dein Feedback. Manchmal ist es nicht so leicht sich keine Vorwürfe zu machten aber ich bin mir sicher das es richtig so ist, wie es ist. Liebe Grüße Nina

  2. 6. März 2015 at 22:35

    Hallo, ich finde Deinen Beitrag gut. Das sind allerdings Gedanken, die ich mir in den Dreißigern auch mache. Lach. Das liegt also nicht an den Zwanzigern. Mein erstes Kind habe ich mit 33 bekommen, das dritte jetzt mit 39. Und ich bin jedes Mal froh gewesen, wenn die Elternzeit vorbei und ich mein Leben zumindest ansatzweise wiedergefunden habe. Ich habe diese erste intensive Babyzeit offen gestanden nie so richtig genießen können. Na klar ist man da ganz und gar Mama und tut, was man kann….aber es tut mir auch gut, danach wieder mehr ich selbst sein zu können. Dazu gehört auch mein Beruf. Da hätte ich in den Augen manch anderer wohl auch erst gar keine Kinder bekommen sollen? Wieso? Darf man als Mama nur Mama sein wollen? Das ist doch Quatsch. Ich bin gerne Mama, lasse mir aber auch gerne dabei helfen von der Oma, der KiTa, dem Papa, dem Babysitter….Ich sehe das wie Du. Ich bin nicht nur Mama und den Kindern wird das nicht schaden, sie sind trotzdem behütet und bei vertrauten, sie liebenden Menschen. Das muss nicht immer ich sein….Lieben Gruß

    • 10. März 2015 at 11:00

      Ja das sehe ich mittlerweile auch so und muss sagen, dass es mit richtig gut geht. Ich merke es auch an meinem Sohn, dass er fröhlicher und ausgeglichener ist wenn ich es auch bin. Es bringt ja nichts wenn die Mama frustriert ist aber eine Vollzeitmama. Mein Sohn geht ja nun bald bis sogar 17 Uhr in die Kita und ich glaube das er sich dort sehr wohl fühlen wird und das er lieber am Nachmittag mit anderen Kindern spielt als mit mir in irgendwelchen Supermärkten und Co rumzuhängen.Ich nehme also die Fremdbetreuung dankend an und kann durch wieder arbeiten und ich selbst sein. LG NINA

  3. 21. März 2015 at 20:26

    Liebe Nina, vor zehn Jahren nach der Geburt meiner ersten Tochter ging es mir wie dir. Heute mit Baby 2 mache ich es anders. Beides ist und war gut. Das wichtigste ist eine glückliche Mama! Denn die gibt ganz viel Liebe! Schau nur nach Frankreich oder in die skandinavischen Länder – da kommen die Kinder mit sechs Wochen ganztags in die Kita. Die werden auch groß und glückliche Menschen 🙂 viele Grüße von Leonie p.s. Dein Blog ist toll!!! Sehr geschmackvoll!!

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