Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!

Erziehung, sie ist nicht einfach. Wirklich jetzt, es ist wirklich nicht einfach und vor allem nicht, wenn man ein Kind hat welches sehr clever und gerissen ist. Manchmal wünsche ich mir ein nicht ganz so cleveres Kind, welches auch mal auf meine Notlügen hereinfällt und mir dann mit staunenden Augen gehorcht. Nix da , wir wurden mit einem Kind gesegnet, welches uns gerade tagtäglich auf die Palme bringt. Wir befinden uns in einer Erziehungskrise und wissen im Moment gerade wirklich nicht wie wir es richtig oder falsch anstellen können. Unser Sohn wird in wenigen Wochen 3 Jahre alt und beherrscht wirklich alle Bereiche der Trotzphase. Er hat das letzte Wort, legt immer wieder nach, auch wenn wir schon am meckern und schimpfen sind und fordert uns regelrecht heraus. Ich habe das Gefühl, dass es ihm sogar Spaß macht uns auf die Palme zu bringen und dass er manchmal mit sehr viel Berechnung Blödsinn macht. Er beherrscht es eben und setzt es sehr gekonnt ein. Wenn ich mich durchsetzte und ihn nach einer peinlichen und wirklich ungezogenen Aktion (er schmeißt die Kreide der anderen Kinder mir Vorliebe und einem unmissverständlichen Grinsen in den Mülleimer) vom Spielplatz schleife, folgt eine Filmreife Aufführung von “Hilfe, meine Mama tut mir weh, Hilfe…”

Ich setzte mich dann natürlich weiterhin durch, sage ihm, dass das nicht in Ordnung war und dass wir jetzt nicht mehr auf dem Spielplatz spielen können und versuche ihn irgendwie nach Hause zu schleifen. Hab ich das geschafft, folgt natürlich noch irgendetwas um es mir heimzuzahlen. Warum er das macht, weil er weiß, dass er mich genau damit kriegt und er den Triumph hat. Ja da kann einem schon mal die Kinnlade nach unten klappen nach dem der kleine Teufel einen sprachlos stehen gelassen hat…

Was halten wir eigentlich von Erziehung? Nun, wir halten sehr viel davon, denn wir möchten wirklich nicht unser ganzes Leben lang von unserem Kind herum geschubst werden und sind der Meinung, dass ein Kind schon Respekt haben sollte und sich von seinen Eltern auch führen lassen sollte. Wir möchten auf jeden Fall unser Kind erziehen und versuchen das auch von Anfang an. Wir möchten, dass er weiß was richtig und was falsch ist, dass er sich zu benehmen weiß, nett ist und bestimmte Regeln einhält. Aber das ist eben nicht ganz so einfach!

Wir waren von Anfang an immer konsequent und haben nie lange gefackelt, aber mittlerweile interessiert es ihn nicht mehr. Ich schwöre, wir sind eigentlich nicht die Eltern die lange um den heißen Brei herum reden und keine Taten folgen lassen. Wir sind Eltern, die wirklich versuchen ihr Kind so gut es geht zu erziehen und doch weiß der kleine Mann seine Stärken genau einzusetzen. Ich weiß gar nicht wie oft es schon Matchbox-Verbot gab, wie oft er zur Strafe in seinem Bett bleiben musste weil er mit voller Absicht sein Essen vom Tisch gekickt hat und dann ohne ins Bett musste. Ich weiß gar nicht warum das einfach nicht fruchtet. Es fühlt sich so an wären jegliche Versuche streng und konsequent zu sein, sinnlos weil er sich einfach nicht daraus macht…

Charaktere 

Natürlich denke ich darüber nach und mache mir meine Gedanken darüber. Was mache ich oder was machen wir bloß falsch? Warum kämpft er immer gegen uns an und versucht immer wieder eine Situation bis aufs Äußerste eskalieren zu lassen. Warum hört er einfach nicht beim ersten Wort und genießt die Ruhe die er dadurch gewinnt? Tja, ich wünschte jemand könnte mit die Fragen beantworten. Es könnte natürlich nahe liegen, dass es einfach sein Charakter ist der ihn so sehr willensstark macht. Er hat sehr viel von mir und darum weiß ich ganz genau, dass wir nichts für unseren Dickkopf können. Wir sind einfach so, wir wollen immer mit dem Kopf durch die Wand und wir wollen immer das Gegenteil von dem, was gerade von uns verlangt wird. Ich bin heute noch so und lasse mir nur sehr ungern etwas sagen oder vorschreiben. Sollte jemand mit aller Macht gegen meinen Willen ankämpfen, werde ich böse und zickig und mache irgendetwas dummes nur um mein Gegenüber auf die Palme zu bringen, ja das haben wir es ja auch schon…. So bin ich halt und ich wünschte ich wäre manchmal anders…Was müssen meine Eltern mit mir durchgemacht haben…Tja aber leider sind genau diese Eigenschaften im späteren Leben sehr viel wert. Ich bin mittlerweile erwachsen, habe mich kaum geändert und doch haben meine Charakterzüge mich sehr stark gemacht und im Leben weiter gebracht.

Was ist also, wenn der kleine Mann einfach so ist wie er ist. Was ist, wenn man das positive an den Eigenschaften sieht und nicht versucht sie zu unterdrücken. Sie können eben so viel Wert sein im späteren Leben. Wenn wir ehrlich sind, ist es doch genau das, was man sich für sein Kind wünscht, sobald es erwachsen ist. Man wünscht sich, dass es mit beiden Beinen im Leben steht und sich durchzusetzen weiß…

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Gewalt, nein danke!

Gewalt gibt es bei uns nicht. Ich halte nichts davon und werde das sicher nie machen. Ich muss aber auch ehrlich sein und zugeben, dass ich schon des Öfteren in einer Situation war, in der sich pure Verzweiflung breit macht. Natürlich habe ich das noch nie getan und werde das auch nie tun aber habe manchmal daran gedacht. Ich glaube die meisten Eltern haben darüber schon mal nachgedacht, einfach aus Verzweiflung. Aber im entscheidenden Moment geht man sich aus dem Weg, atmet durch und beruhigt sich wieder. Ich weiß gar nicht wie oft ich schon einfach aus der Situation heraus musste, heraus auf den Balkon, um einfach durchzuatmen weil ich im Moment des Trotzanfalls einfach nicht mehr weiter wusste. Momente in denen nach konsequenter Handlung und einem erneuten Verbot, welches man sehr streng und mit noch strengerem Blick durchzieht, die Bücher voller Wut aus dem Bücheregal gekickt werden. In solchen Momenten kann es auch hilfreich sein den Bauch entscheiden zu lassen, nicht die Kontrolle zu verlieren und am Ende sogar einfach darüber zu stehen. Dann liegen die Bücher halt auf dem Boden und werden später gemeinsam wieder eingeräumt…So ist es oft bei uns. Wir lassen auch mal den Bauch entscheiden und ich glaube sogar, dass es gar nicht so verkehrt ist. Manchmal spürt man, gerade als Mutter, das der kleine Mann das gerade nur macht, weil er auch von seine Gefühlen überwältigt wird. Ich kann mich natürlich sehr gut in meinen Sohn herein denken und dass brachte mich schon oft dazu, ihn einfach in einer Trotzsituation in den Arm zu nehmen und ihn ganz ruhig zu fragen was denn eigentlich los sei und warum er gerade so wütend ist. Mein Gott, das wirkt Wunder. Der Mini beruhigt sich sofort, hört aufmerksam zu und schon der Trotzmoment vergessen….

Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn!

Und doch muss der Mini erzogen werden. Ob er will oder eben nicht. Er muss, solange er ein Kind ist und die Füße unter unserem Tisch hat, auch machen was wir wollen. Er muss sich zu benehmen wissen und sollte nach Möglichkeit nach dem 8. Versuch endlich in seinem Bett liegen bleiben. Natürlich nachdem er 5 mal auf Toilette war und noch 3 mal etwas getrunken hat. Es gibt Situationen, in denen kann man nicht nachgeben und das Kind nach Bauchgefühl in den Arm nehmen. Es gibt Situationen, in den muss er einfach hören und funktionieren. Es gibt Momente, in denen muss einfach alles klappen. In solchen Momenten hilft natürlich kein hysterisches Geschrei von mir und auch kein böser Blick vom Papa. Er würde ja sowieso wieder einen drauf setzten… In solchen Momenten helfen fast immer nur Notlügen. Kleine Sünden in der Erziehung eben. Ich bin mal ehrlich, wir haben das schon sehr oft gemacht und es hilft tatsächlich um eine Situation, in der das Kind nicht trotzig werden sollte, zu entschärfen. Ihr kennt das doch auch oder? Es gibt Momente in denen man wirklich schimpfen und meckern muss und man aber auch genau weiß, dass sobald man das tut, das Kind wieder einen Trotzanfall bekommen würde. Kennt ihr oder? Man steckt in der Klemme und das doofe daran ist, dass diese Momente meistens dort passieren wo es echt peinlich werden könnte. Man muss also zu einer Notlüge greifen. Meistens kommt das bei mir vor, wenn wir irgendwo in der Öffentlichkeit sind.

Der Mini hat eine Zeit lang jedes mal wenn wir ihn aus der Kita abgeholt haben, eine mega Theater gemacht. Ein filmreifer Trotzanfall der einfach nicht aufhört bis man zu Hause ist. Da man aber keine Lust hat eine Stunde lang das Kind irgendwie ins Auto zu betteln, sagt man früher oder später etwas dummes. Bei mir war es immer so, dass eine große Tüte Skittles im Auto lag und sobald der Mini sich ganz lieb ins Auto hat setzten lassen, bemerkte ich immer plötzlich, dass jemand die Skittles aus dem Auto geklaut haben muss. Ja ich weiß, ich komme in die Rabenmutterhölle aber manchmal hilft einfach nichts anderes als das Schnall-dich-an-sonst-stirbt-ein-Einhorn-Prinzip.

Unser Erzeihunsstil ist also nicht wirklich zu beschreiben. Wir versuchen eigentlich immer hart aber herzlich zu sein. Wir hören auch mal auf unser Bauchgefühl und versuchen wiederum in Situationen, in denen der Mini sich echt daneben benimmt, sehr konsequent zu sein. Manchmal greifen wir eben auch in die Trickkiste um dem Mini wenigstens ein paar Mal überlegen zu sein und ja bei uns steht die Matchbox-Kiste mehr auf dem Schrank als im Kinderzimmer….

Ach ja, ich habe am vergangen Samstag zu meinem Geburtstag von sehr guten Freunden das Buch “Schnall dich an, sonst stirbt ein Einhorn” zum Geburtstag bekommen. Ich kann das Buch echt nur empfehlen. Es lässt einen manche Dinge und typische Situationen mit ganz andren Augen sehen und vor allem lässt es einen kreativ werden….

Die liebe Wiebke vom Blog Verflixter Alltag hat eine Blogparade ins Leben gerufen in der es gerade um dieses Thema geht und so habe ich mich einfach angeschlossen. Schaut doch mal bei ihr vorbei, dann findet ihr noch sehr schöne andere Meinungen zum Thema Erziehung…

 

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