Der Ikea-Teufel

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Von einem Kind, das unerwartet irgendwo in der Öffentlichkeit einen Wutanfall bekommt und Eltern die in Panik geraten.
Liebes Tagebuch,
es ist zwar schon eine Weile her, aber ich muss das unbedingt noch berichten.
 
Am vergangenen Freitag sind wir zu Ikea gefahren, da wir noch etwas für unsere Wohnung brauchten. Lange darüber nachgedacht oder geplant haben wir nicht. Unser Kind hat mit solchen spontanen Ausflügen ja bis jetzt auch immer kein Problem gehabt. So sind wir am späten Nachmittag los gefahren. Die Autofahrt war entspannt, wie immer. Unser kleiner Schatz sitzt immer zufrieden in seinem Autositz hinter uns und nutzt die Zeit im Auto um gezwungenermaßen abzuchillen. Das große Cybex-Auffangkissen verhindert ja jegliche Bewegungsfreiheit. Wir waren total entspannt und hörten etwas gute Musik.
Am Ziel angekommen, sind wir gemütlich ins Ikea rein und schlenderten die Möbel-Ausstellung entlang. Man nimmt sich ja immer vor nur die bestimmten Sachen zu kaufen, die man wirklich braucht. Ikea schafft es jedoch immer wieder, das Wagen und die starken Arme des Gatten voll sind. Da es schon etwas später war, beschlossen wir gleich dort etwas zu essen, damit der Kleine bei der Heimfahrt nicht zu hungrig wird. Frohen Mutes steuerten wir die Ikea-Kantine an. Schließlich gibt es ja hier diese tollen Bio-Kindergerichte, so das ich gar kein schlechtes Gewissen haben muss. Voller Überzeugung, das mein Kind die Bio-Paste lieben und essen wird, stellte ich mich an der Essensausgabe an. Mein Freund ging schon mal mit unserem lieben und geduldigen Schatz an einen leeren Tisch und holte einen Kinder-Hochstuhl. Ich ging mit unserem Essen nach dem bezahlen zu den beiden an den Tisch. Und als mein Freund unser Kind aus dem Einkaufswagen hob und in den Hochstuhl setzen wollte, begrüßte uns mit voller Lautstärke der Ikea-Teufel. Irgendein Schalter hatte sich in unserem Kind umgelegt und er brüllte plötzlich wie am Spieß. Total bockig und zickig lies er sich nur mit Widerwillen in den Hochstuhl setzen. Und es kam wie es kommen musste. Mit dem ersten lauten Gebrüll waren sofort alle Blicke, der gefühlt Tausend Leute in der Ikea-Kantine, auf uns gerichtet. Krampfhaft versuchten wir diese Blicke nicht zu erwidern und zu ignorieren. Voller aufsteigender Panik in mir,beeilte ich mich und setzte mich schnell hin, um mein Kind mit der super schmeckenden Bio-Pasta zu beruhigen. Die Nudeln sind jedoch nicht im Mund gelandet, sondern auf dem Boden, an der Wand und auf dem Tisch. Er fuchtelte  wie wild geworden mit seinen Kleinen Händen herum, immer in Begleitung von lautstarken Zicken und Bocken. In meinem Kopf liefen Monologe ab wie, Hilfe was ist mit unserem Kind bloß los, warum macht er das, alle schauen uns an und hören damit nicht auf , Hilfe! Weiter ging es mit dem Metall-Besteck, welches immer wieder voller Herzblut auf die Glasplatte des Tisches gehauen wurde. Jeglicher Versuch mein Kind mit dem Essen zu beruhigen scheiterte. Er war einfach voller Überzeugung, das er jetzt keine Lust hatte zu essen oder in diesem Hochstuhl zu sitzen. Was sollte ich in diesem Moment machen und warum schauen die Leute nicht  auf ihren eigenen Teller und hören auf uns mit  Blicken zu verurteilen.
Ich holte tief Luft und schob unser Kind samt Stuhl einfach vom Tisch weg. Wer nicht essen will der hat eben keinen Hunger. Nach einiger Zeit beruhigte er sich etwas und zickte nicht mehr ganz so lautstark herum. Wir haben ihn dann einfach nicht beachtet und unser Essen runter geschlungen, damit wir möglichst schnell diesen Raum verlassen können. Mein Freund war total entsetzt. Selbst er, der nicht so schnell aus der Ruhe gebracht werden kann, war plötzlich total panisch und wollte einfach nur noch im Erdboden versinken. Der restliche Rundgang  war uns vom Ikea-Teufel auch nicht mehr gegönnt und so wurde weiter gemacht mit der Showeinlage. Ich habe es mittlerweile mit Humor genommen, denn ändern konnte ich anscheinend nichts an der Situation. Unser Kind ließ sich mit nichts beruhigen. Als wir irgendwann draußen waren und ich den Kleinen in seinen Autositz gesetzt habe, hat sich der Schalter plötzlich wieder umgelegt und er saß total lieb und entspannt im Auto, mit große unschuldigem Blick. Was war da bloß gerade mit unserem Kind los? 
 
Ich habe durch dieses Erlebnis mir eines dick und fett auf den Schirm geschrieben. Ich werde solche Situationen in Zukunft mit Humor nehmen oder sogar vermeiden und ich darf mir nichts aus anderen Leuten machen. Ich bin mir sicher das all diese Leute, die so blöd geguckt haben, solche Situationen selbst schon mindestens drei mal mit Ihren eigenen Kindern erlebt haben. Mein Gott, es sind eben Kinder. Und ein Kind in der Trotzphase ist ja sowieso manchmal unberechenbar.
Aber so sind wir halt. Engstirnig, kritisierend und verurteilend.
Vielleicht sollten wir uns alle mal etwas lockerer machen. Ich werde das nächste mal wenn ich einer Mutter mit bockigem Kind begegne, nicht mehr blöde Sachen denken, denn der Tag kommt, an dem mein Kind sich mal wieder in den Kopf setzt, Mama irgendwo in der Öffentlichkeit voll auflaufen zu lassen, der Tag an dem es mich trifft.
 
 
Was sagt Ihr dazu ? Auch schon erlebt ? Ich freue mich über eure Kommentare.
 
Eure Nina
 
Bild-Quelle: PublicDomainPictures / pixabay.com

  3 comments for “Der Ikea-Teufel

  1. 23. Oktober 2014 at 13:12

    ja!!!!! Wir haben ein sehr liebes Kind, das sich in der Öffentlichkeit meist mustergültig verhält. Diesen Sommer in Spanien aber brüllte sie den ganzen Strand in einem Wutanfall zusammen. Totale Hysterie! Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, sie liess sich nicht beruhigen und alle starrten uns an. Wenn Sie Zuhause brüllt, muss sie ins Zimmer (Auszeit), aber am Strand….? Ich wusste echt nicht weiter und wäre am liebsten gestorben vor Scham. Ich zerrte sie dann weg und wir fuhren mit dem Auto los. Der Tag war im Arsch.

    • philinsmom
      24. Oktober 2014 at 10:01

      Hallo liebe Mama on the Rocks, also am Strand ist es natürlich auch mega peinlich. Die lieben Kinder schaffen es aber auch immer uns Eltern, gerade in der Öffentlichkeit, auf die Palme zu bringen. Wenn dann noch andere blöd gucken, findet man das nicht mehr lustig 🙂 Schön das ich nicht allein bin mit solchen überraschenden und sehr peinlichen Situationen… Liebe Grüße Nina

  2. Stefan Müller
    23. Oktober 2014 at 15:44

    😉

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