Wenn Eltern zu oft Nein sagen

Das Wort Nein benutzt man als Eltern ziemlich oft, zu oft sogar. Wenn man dazu noch ein sehr sturköpfiges Kind hat, kann das Nein schnell zur Frustration werden. Wie kann man dem am besten aus dem Weg gehen, ohne die Erziehung zu vernachlässigen.

Er bringt uns auf die Palme

Wir haben ein sehr agiles, aufgewecktes und stures Kind. Er will stets und ständig alles allein machen, will die Welt erkunden und alles ausprobieren. Er ist nicht müde oder kaputt zu kriegen und ehrlich gesagt kostet es Nerven. Nun, wir akzeptieren die Persönlichkeit unseres Kindes. Er ist so wie er ist. Er akzeptiert allerdings das Wort Nein nicht mehr, aber warum?
Ich muss ständig meinen Sohn zurückhalten, weil er sonst immer und überall nur Unsinn machen würde. Demzufolge muss ich oft nein sagen. Nein zum Klettern auf dem Sofa, Nein zur Klobürste, Nein zum alleine laufen auf dem Fußweg. Er ist eben noch klein und ich muss auf ihn sehr konzentriert aufpassen. Würde ich es durchgehen lassen, dass er allein, ohne an meiner Hand zu sein, auf dem Fußweg läuft, würde er in wenigen Sekunden auf die Straße rennen. Es ist also an der Tagesordnung, unser Kind im Zaum zu halten. Gerade jetzt ist es sehr schlimm. Ich kann nicht mal mit ihm einkaufen gehen, ohne das er ein mega Theater im Buggy macht, weil er selbst laufen möchte und den ganzen Supermarkt auf den Kopf stellen möchte. Es ist schwierig ehrlich gesagt. Warum ist er nur so ungehalten und aufgedreht? Er möchte sich am liebsten in einem Moment mit 3 Sachen gleichzeitig beschäftigen. Das ganze Kinderzimmer wird auf den Kopf gestellt und jedes Spielzeug mit anderem Spielzeug kombiniert, um zu sehen was dann passiert. Die Schiebe-Ente wird als verlängerter Arm benutzt, um an Sachen ran zu kommen, an die er eigentlich nicht gehen soll. Man kann also sagen, er macht nur Unsinn. Aber ist es wirklich Unsinn oder ist das Kind einfach clever? Ein sehr interessanter Artikel dazu hier.
Ich habe mich mit meiner Schwester unterhalten, sie ist sehr belesen auf dem Gebiet und kennt sich aus. Sie und ihr Mann haben es auch nicht immer leicht mit ihrem Sohn und deshalb hat sie viele Artikel und Berichte darüber gelesen. Ich habe mich an sie gewandt und klagte ihr mein Problem. Sie konnte es mir gut erklären und beruhigte mich. Es ist alles in Ordnung mit unserem Sohn, er ist eben nur sehr wissbegierig und will alles ausprobieren.
Ich muss zugeben, dass mir das auch schon von Anfang an aufgefallen ist. Motorisch war er immer etwas hinterher. Er schaffte aber eben andere Dinge. Wie etwa mit einem halben Jahr, einen Flyer genau Kante auf Kante  zu falten. Ups, was stimmt nicht mit meinem Kind? Oder etwa mit 3 Monaten das Mobile einfach mit dem Fuß zu treten, damit es sich bewegt, anstatt danach zu greifen. Als Mutter möchte man aber nicht, dass das eigene Kind aus der Reihe tanzt. Man möchte eben normal sein, aber was ist schon normal? Es mag zwar toll sein, dass er so clever ist, jedoch bringt eben das einen auf die Palme. Er ist also immer zu 120 Prozent wach, spielt lieber mit Schrauben am Schrank oder am Kinderwagen, dreht Wasserflaschen von allein auf und flutet die Wohnung.
Wir sind also den ganzen Tag damit beschäftigt, nein zu ihm zu sagen. Das jedoch frustriert ihn. Er kann es nicht verstehen, warum er nicht hinter den Fernseher klettern darf, um herauszufinden wo das Kikaninchen her kommt. Das Resultat ist ständiger Protest und viele Wutanfälle. Im Stress des Alltags vergisst man sich in sein Kind zu versetzten um zu verstehen, warum es sich so verhält. Man glaubt dann schnell daran, man hätte ein unerziehbares Kind. Und das jetzt schon, mit gerade mal 18 Monaten. Wenn ich total traurig darüber bin, hole ich mir immer Rat in diversen Foren. Eigentlich geht es vielen Eltern so und doch macht man sich verrückt deswegen.
Was also tun, um dem Stress und der Frustration aus dem Weg zu gehen? Als erstes den Punkt mit dem unerziehbarem schnell vergessen. Das Kind ist eben clever und wissbegierig. Als zweites soviel Stopp-Schilder wie möglich entfernen. Das Kind soll sich ruhig frei entfalten und austoben können. Stopp-Schilder entfernen heißt, dass man verbotenen Dingen aus dem Weg geht oder sie aus dem Weg räumt. In unserer Wohnung zum Beispiel, sieht es etwas kahl aus. Keine Pflanzen in Reichweite des Kindes, keine Dekoration die kaputt gehen könnte. Alles Steckdosen sind dreifach gesichert, alle Regale fest an der Wand montiert und alle Schränke sind verschlossen. Viel weicher Teppich um das Sofa herum und alle gefährlichen Küchengeräte sind ganz weit oben verstaut. Soviel zur Wohnung. Wie sieht es draußen aus? Ich bin immer mit einem Buggy bewaffnet, damit ich der Sache mit dem an der Hand laufen, aus dem Weg gehe. Ich gehe nur auf Spielplätze, die eingezäunt sind und ich muss immer Bestechungs-Kekse dabei haben. Einkaufen geh ich nur noch ohne Kind. Ich muss also immer alles durch organisieren und immer an alles denken.
Es ist also nicht immer leicht und zur zeit sehr anstrengend, denn oft kann man gewissen Verboten nicht aus dem Weg gehen. So sehr ich versuche mich in meinen Sohn hinein zu versetzen, es klappt eben nicht immer das Nein sparsam und wirkungsvoll einzusetzen. Denn während andere kleine Kinder auf dem Spielplatz genau nach Gebrauchsanweisung funktionieren und ganz normal auf dem Trampolin herumspringen, schmeißt mein Sohn Kieselsteine zwischen die Beine der Kinder. Er findet es sehr interessant wie die Steinchen dann hüpfen und will damit nicht aufhören. Ich ernte bei solch einer Sache natürlich blöde Blicke der anderen Mütter und muss wieder auf das Nein zurückgreifen. Für andere sieht es dann nach ungehorsamen Kind aus. Genau deswegen macht man sich darüber so verrückt. Das wissbegierige eines Kindes trifft oft auf Unverständnis.
Da man ja am liebsten Kinder in eine Schublade stecken möchte, wird in solch einem Fall dann eine rechtfertigende Diagnose eher akzeptiert als Verständnis für das Verhalten des Kindes aufzubringen. Schnell hört man dann ADS oder ADHS. Ich selbst glaube nicht an solche Diagnosen. Ich denke das jedes Kind anders ist und man Kinder sowieso nicht miteinander vergleichen sollte. Es gibt nun mal aktivere Kinder und ruhigere Kinder. Kein Grund ein Kind als unnormal zu bezeichnen oder etwa eine Krankheit, die es eigentlich gar nicht gibt, dafür verantwortlich zu machen.
Im Grunde liegt es ja einfach an uns Erwachsenen. Wie haben keine Nerven und keine Lust auf lautstarke und sehr temperamentvolle Kinder. Sie müssen bitte von Anfang an funktionieren, damit Mama und Papa genug Zeit und Nerven für etwas anderes haben. Auch wir müssen noch lernen unseren Sohn einfach mal machen zu lassen und nicht ständig nein zu ihm zu sagen. Nur wenn es wirklich ein klares und deutliches nein wert ist, dann sollte man auch eingreifen. Wenn wir zu oft Verbote aussprechen, dann ist das Kind frustriert, denn es kann nicht verstehen warum denn alles verkehrt sein soll. Wenn wir also sparsam mit Verboten und dem Nein umgehen, dann behält es seinen Wert und wird vom Kind eher akzeptiert.
 
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/ kheinz46
 
 
 

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